Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 3)
- Language
- German
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460 Der synagogale Ritus. behandelt, ist Maimonides. Er thut dies nicht, weiler etwa für diese Specialität eine besondere Vorliebe hegt, sondern vermöge des systematischen Geistes, welchem er auch in der Darstellung des Religionsgesetzss folgt, ohne hier einen Vorgänger gehabt, oder einen Nachfolger gefunden' zu haben. Diese Systematik bringt es mit sich, daß er von den fünfzehn Abschnitten seines Tractates über das Gebet einen — den eilften — den Synagogenbau betreffenden Gesetzen und Gebräuchen widmet. Seinem sonstigen Verfahren bleibt er auch hier treu. Er reiht den zerstreuten talmudischen Stoff in logischem Zusammenhänge an einander, ohne jedoch den nachtalmudischen Usus ganz unberücksichtigt zu lassen. In letzterer Richtung verzeichnet ec sogar einen unerheblichen Unterschied zwischen gewissen Synagogen- Utensilien in islamitischen und denen in christlichen Ländern Von einer eigenen Frauenabtheilung spricht er nicht. Allem Anscheine nach war in seiner Zeit noch die talmudische Sitte herrschend geblieben: Die Frauen nahmen in der Synagoge abgesonderte Plätze ein, ohne von den Männern durch eine Wand geschieden zu sein. Die Fortdauer des talmudischen Usus in den frankogermanischen Synagogen wird außerdem durch eine positive Nachricht bezeugt, welche durch die Gelegenheit, bei welcher sie mitgetheitlt wird, nur an Glaub- Würdigkeit gewinnt. Sie ging aus dem Boden des Sabbatgesetzes hervor. In den über dieses Gesetz gepflogenen Vorhandlungen werden auch die Thätigkeiten besprochen, die unter das Verbot, am Sabbate zu bauen, subsumirt werden. Wie weit sich schon die talmudische Mikrologie hierin verirrte, erhellt aus der Distinktion der Kopfbedeckungen: Der Gebrauch gewisser Kopfbedeckungen soll am Sabbat vermieden werden, weil man eine Art von Bedachung vollzieht, indem man sie auf's Haupt setzt (Sabb. 138 b). Das Mittelalter verfolgte auch in diesem Stücke konsequent die eingeschlagene Bahn. Dadurch gelang es der