Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829584-2829595-2875109--22493-2875151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der fynagogale Ritus. 459 am siebenten Tage zusammenkommt, enthält ein doppeltes Gehege, das eine zum 'Aufenthaltsorte der Männer, das andere für Frauen abgetheilt. Denn der Sitte nach hören auch die Frauen mit zu, wenn sie nämlich dasselbe Streben habet! und derselben Schule angehören. Die zwischen den Gemächern befindliche Wand aber ist vom Fußboden an bis drei oder vier Ellen hoch errichtet worden, ganz nach Art einer Brustwehr. Der obere Raum bis zur Decke hingegen bleibt aus zwei Gründen offen, um nämlich die der weiblichen Natur ziemende Schaam zu bewahren, und unl den Frauen das Verstehen ganz bequem zu machen, indem man sie au einem Orte sitzen läßt, wo man hören kann, weil nichts der Stimme des Redenden im Wege steht (Pliilo de vita coiitemplativa p. 894). Allein diese Beschreibung rührt, wie bereits erwähnt wurde, weder von einem Juden her, noch bezieht sie sich auf eine jü° dische, sondern auf eine christliche Institution. Auch Chrisostomus sagt, daß es die Väter für nothwendig hielten, die Frauen in den Kirchen durch eine Bretterwand (aavCg) von den Männern zu trennen, fügt aber hinzu, daß diese Scheidewand in älteren Zeiten nicht vorhanden war. Er hielt diese ältere Einrichtung für spezifisch christlich (Hom. 74 in Mattls. angeführt bei Rhein wald kirchl. Archäologie § 52, Anm. 5), während sie offenbar nichts Anderes war, als die Neception der jüdischen Sitte. Diese Erkenntniß legt den Gedanken ziemlich nahe, daß die heutige Einrichtung der Synagogen auf dem Wege entgegengesetzter Neception zu Stande gekommen sei. Ein geschichtlich begründetes Urtheil kann jedoch hierüber noch nicht abgegeben werden. Die Quellen geben über die in Rede sichende Einrichtung der Synagogen äußerst sparsame Aufschlüsse, und diese sind weder benützt, noch überhaupt zusammengestellt worden. Der erste nachtalmudische Schriftsteller, welcher die auf Synagogenbau bezüglichen Gesetze mit erschöpfender Uebersichtlichkeit