Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 9)
- Language
- German
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152 ä)er synagogate Ritus. Synagoge fern gehalten hätte. Warum spricht der Talnu d gleichwohl von keiner Frauenabtheilung in der Synagoge? -- Weil eine solche nicht vorhanden war. Dies wird auch durch positive Thatsachen erhärtet. So e - zählte einst R. Jochanan b. Nafcha: Ich kenne eine Jungfrau, von welcher wir lernen können, die Sünde zu fürchten, und sine Wittwe, von welcher wir lernen, Gotteslohn zu suchen. D:e Jungfrau hörte ich beten: Herr der Welt E Du schufst das Paradies und schufst die Hölle. Du schufst Momme und schufst Sünder. Es sei Dein Wille, daß kein Mensch durch mich zum Straucheln gebracht werde. Eine Wittwe, die eine Synagoge in ihrer Nachbarschaft hatte, begab sich täglich in mein Lehrhaus, um daselbst ihr Gebet zu verrichten. Ich sprach einst zu ihr: meine Tochter, ist denn keine Synagoge in deiner Gasse? Sie antwortete mir: Rabbi! habe ich denn für die Schritte — d. i für die weitere Strecke, die ich zurücklegte, — keinen Lohn zn erwarten (Sota 22 b)? Es waren also die Lehrhäuser den Frauen zugänglich, und es erregte keinen Anstoß, wenn sie daselbst ihre Andacht verrichteten, wiewohl den Lehrhäusern eine höhere Weihe und Heiligkeit zugeschrieben wurde, als den Synagogen! Daffelbe wird durch folgende Anekdote bestätigt. Ein Weib, welches sich am Eingangs des Sabbates beim Vortrage R. Meir's verspätet hatte, und nach der Rückkehr aus dem Lehrhause die Lampe erloschen fand, mußte von ihrem erzürnten Ehemanns die Drohung hören: Du wirst meine Schwelle nicht betreten, bis du dem Prediger nicht in's Gesicht gespuckt hast. Die Frau blieb Wochen lang von ihrem Gatten entfernt. Endlich bewogen sie ihre Nachbarinnen, mit ihnen in das Lehrhaus R. Meir's zu gehen. Letzterer, von ihrer Noth durch höhere Offenbarung unterrichtet, fragte die anwesenden Frauen, welche von ihnen die Kunst verstände, über ein schmerzhaftes Auge eine Beschwörungsformel zu sprechen.