Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 7)
- Language
- German
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870 Der synagögale Ritus. Hellen. Merth. 2, 565,566). Dem jüdischen Feste des Was:rschöpfens durften Frauen beiwohnen; doch wurden dieselben im Laufe der Zeit einschränkenden Maßregeln unterzogen. )ie Nähe der Zuschauerinnen führte Mißbräuche herbei, denen n cht abgeholfen wurde, als man die Abhaltung der Festspiele v >m Osten des Frauenvorhofes in den Westen, den Vorhof der Männer verlegte. Um denselben vorzubeugen, ließ man an den Wändet des Frauenvorhofes eine Emporbühne anbringen, welche jedoch nur beim Feste des Wasserschöpfens benützt wurde. Nach dm Feste wurde Estrich und Brustwehr der Emporbühne abgehoben, Für letztere war keine hebräische Benennung vorhanden; man bezeichnete sie mit einem auch zu den Römern übergegangenen griechischen Worte גזוזטרא כצוצרה exostra I. Sukka 5, 2 B. 51b Middot. 2, 5). Jafeth war in den Hütten Sem's so einheimisch geworden, daß er sich selbst im Heiligthume Israels das Bürgerrecht zu erringen verstand. Nicht nur die provisorische Emporbühne, auch die Balken zwischen der Halle und den heiligen (כלונסוח s. Ar. 8. y.) und das westliche Thor des Tempelberges (קיפונום Midd. 1, 3,1 Toß. Jom. Tob. das.) hatten griechische Namen. Der freie Raum des Tempelberges wird als eine doppelte Stoa beschrieben (Pessach. 13 b). In topographischem Sinne hatte also auch Jerusalem seine Stoiker! Die Vorlesung des Gesetzes im Erlaßjahre wurde im Männervorhofe (עזרת ישראל) vollzogen (Sota 7,8): כעזרה, womit ständig der Männervorhof bezeichnet wird. Die jer. Gemara verlegt die Vorlesung ausdrücklich in diesen Vorhof. Die bab. Gemara läßt die Vorlesung, aber nur aus pilpulistischem Grunde in dem Frauenvorhofe geschehen (Sota 41h. S. auch Kehillath Jakob v. Algasi Buchst. א Nr. 2), ohne daß zu diesen Behufs eine eigene Frauengallerie errichtet worden wäre. Es ist mithin klar, daß die Absonderung der Geschlechter nur bei Gelegenheit oes mit Spiel und Tanz verbundenen Freudenfestes für heilsam,