Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 4)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. 367 es ist daher nicht die biblische, sondern ihre eigene Welt, in deren Eigenthümlichkeiten sie einen liefern Einblick gestattet. Von den beim Heiligthuine angebrachten Spiegeln wissen die jüdischen Schriftausleger ebenfalls nichts. Nach ihrer Auffassung ist der in Rede stehende Schriftvers folgender Maßen zu übersetzen: ״Und (Mose) machte das Waschbecken von Erz und sein Gestell von Erz aus den Spiegeln der Weiber." Die Spiegel der Alten waren nämlich nicht aus Glas, sondern aus polirtem Metall, welches zur Verfertigung des Waschbeckens vollkommen geeignet war. Die Verfertigung des Waschbeckens aus den Spiegeln hat auch die Majorität der christlichen Exegeten für sich. Michaelis meint, das Waschbecken sei aus einer andern Materie verfertigt, und mit dem Spiegelmetalle bloß überzogen worden, um den badenden Priestern als Spiegel zu dienen. (Commentatt. Societ. Scieatiarum G-ötting. T, IV p. 88). Diese weit hergeholte Hypothese nahm ihr Urheber später selbst zurück. Zu ihrer Widerlegung kann aber nicht angeführt werden, daß es jüdischen Männern verboten sei sich in einem Spiegel zu betrachten, da dieses Verbot aus späterer Zeit stammt und verschiedene Ausnahmen zuläßt (Toß. Ab. Zara III p. 463 Zuckermandel, Jer. Das. 2,2, B. das. 29 a I. Dea 156). Im Salomonischen Tempel sucht man ebenfalls vergebens eine den Frauen angewiesene Räumlichkeit. Eine solche kennen nur die Schriftausleger, welche spätere Zustände und Verhältnisse auf frühere Zeiten übertragen (Raschi 1 K. 6,36). Geschichtlich läßt sich nicht einmal bestimmen, in welchem Zeitpunkte der zweiten Tempelperiode ein eigener Vorhof eingerichtet wurde. Wahrscheinlich geschah dies in der Hasmonäischen Rsstaurations - epoche. Gewiß ist, daß der östlichste Vorhof des Herodianischen Tempels, zu welchem man durch das Susathor aus dem mit einem Gitter (titv) umgebenen Zwinger (חיל) gelangte, Vorhos der Frauen (מרת נשים; yvvaixmvlng) genannt wurde. Diese