Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 8 · p. Seite 366

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 8
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 366 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829584-2829593-2874986--22386-2875027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

00.0 L-er ignagogaie W1U9. Rosenm. Schol. 2 M. 38,8. Morgen!. 2, 294). In׳ Japan giebt es Tempel, in deren Mitte ein großer Spiegel aus gegossenem und halb polirtem Metall angebracht ist, welchem eine symbolisch« Bedeutung zugeschrieben wird. Der Tempelbesucher soll sich sagen: wie ich im Spiegel meinen Körper sehe, so sieht das allsehende Auge der unsterblichen Götter meinen Geist und mein Gemüt (Rosenm. Morgen!, a. a. O.). Unter den jüdischen Schriftauslegern haben die jedenfalls zu weit gehenden Voraussetzungen und Schlüsse Ewald's, welche sich auch Bunsen aneignet, keinen Vertreter. Doch beziehen Septuaginta, Targumim und Syrer den bezüglichen Bericht der Thora auf Frauen, welche sich zum Behufs gemeinsamer Andacht vor dem Eingänge des Zeltes der Offenbarung zusammenschaarten. Aben Esra, dem karaitische Ausleger folgen, denkt an Frauen, welche den Freuden der Welt entsagend, sich ausschließlich dem Dienste Gottes widmeten, und daher dem Heiligthume zuströmten, um zu beten und der Belehrung über die Gebote Gottes zu lauschen (2 M. 38, 8). Die Worte, mit denen Aben Esra seine Erklärung einleitet, geben deutlich genug zu verstehen, daß ihn der Hinblick auf die weiblichen Orden in christlichen Ländern darauf leitete. Der Nachweis, daß die Institution der weiblichen Orden schon im alten Israel beliebt war, hatte im zwölften Jahrhundert apologetische Bedeutsamkeit. Eine gleiche Tendenz verfolgt Don Jsak Abravanel, indem er die Vermuthung plausibel findet, daß den christlichen Völkern bei der Gründung weiblicher Klöster das Beispiel der Tochter Jeftah's vorgeschwebt habe (Prof, prior. eä. Hamb. 38a ... ). Wären ihm die Schriften Philo's bekannt gewesen, so hätte er auch die Therapeutinnen auftreten lassen, von denen das von einem christlichen Schriftsteller herrührende, aber dem Philo untergeschobene Buch über das beschauliche Leben in so überschwenglicher Weise spricht. Der Apologetik sind eben die Anschauungen und Sitten ihrer Zeit normativ;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.