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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 8 · p. Seite 365

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 8
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 365 (sequence 2)
Language
German
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Der synagogale Ritus. 365 wesen sein müssen. Wir wissen, daß Weiber vor der Ostseite des Heiligthumes ganz wie die Leviten in Reihe und Glied, also auch zu bestimmten Zeiten erscheinen und Dienste thun mußten (2 M. 38,8 1. Sam. 2,22); ferner, daß hier metallene Spiegel für sie am großen Waschbecken angebracht waren. Eigentliche Priestergeschäfte höherer oder niederer Art kann man bei ihnen nicht voraussetzen : nach der ganzen Eigenthümlichkeit des Jahvethumes wurden diese immer nur von Männern versehen. Aber wir wissen sonst, daß am Heiligthume unter Gesängen auch Tänze von Weibern aufgeführt wurden (2 M. 15,20. Nicht. 21,21); und auf etwas damit Verwandtes führen ebenso jene Spiegel. Nahmen nun an diesen Tänzen an Festtagen wol immer viele Weiber aus allen Stämmen Theil, so mußten doch am Heiligthume׳ selbst beständig solche sein, welche die Tänze zu leiten verstanden: und diese waren wol dieselben, welche auch täglich dort die heilige Musik erschallen ließen. Daß es solche singende und spielende Weiber dort gab, wissen wir sicher (Ps. 68,26), wie auch, daß alle die Musenkünste bis in die Zeiten Davids noch gern den Weibern überlassen wurden (Bd. II S. 352 ff.). Wir haben also in der singenden und spielenden Mirjam, das deutliche Urbild dieser Weiber im Heiligthume (Alterth. S. 297, 298); frommen und musensreundlichen jüdischen Frauen muß diese Verherrlichung ihrer Ahnfrauen natürlich wohlthun. Störend dürften für sie bloß die Spiegel sein, welche für dieselben an heiliger Stätte angebracht werden mußten. Nach solchem Luxus tragen die jüdischen Damen in unserer Zeit selbst in den größten Städten kein Verlangen! Zur Entschuldigung der Großmütter dient jedoch der Umstand, daß sie die den Enkelinnen so befremdlich scheinende Mode nicht erfanden, sondern bloß nachahmten: die Aegyptischen Frauen hielten bei ihrem Tempelbesuche in der einen Hand ein Tamburin, in der anderen einen Spiegel (Cyrillus de ador. ia spir. et, ver. Tom I Cap. 2 p. 64.

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