Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 20)
- Language
- German
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Ml Der synagogale Ritus. in seinem Gesetzeskompendium von seinen astronomischen unl historisch-geographischen Kenntnissen auch sonst Gebrauch (Lewusch ha Chur 427, 428, 688, 4), so daß er verdient hätte in der geographischen Literatur der Juden von Zunz ein bescheidenes Plätzchen einzunehmeu. Die Bahn zur richtigen Erkenntniß war somit durch Jafc gebrochen. Es bewährte sich aber auch hier das Wort Göthe's, daß ״in irdischen Dingen selten von Bahn die Rede sein kann; denn wie das Wasser, das durch ein Schiff verdrängt wird, gleich hinter ihm wieder zusammenstürzt, so schließt sich auch der Jrrthum, wenn vorzügliche Geister ihn bei Seite gedrängt und sich Platz gemacht haben, hinter ihnen sehr geschwind wieder zusammen." Das Herkommen wurde auch durch R. Josef Ttzomim nicht alterirt, welcher sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts auf Jafe berief, und darauf hinwies, daß bei Synagogenbauten die geografische Lage des betreffenden Landes berücksichtigt werden muffe (Eschel Abraham 94, 4). In Ungarn ließ noch in neuerer Zeit manche Gemeinde die Morgenseite der Baustelle vermittelst des Kompasses eruiren, damit die Rückseite ihrer neuen Synagoge genau gen Osten gerichtet sei. Die frommen Gemeindevorsteher ahnten nicht, daß ihr Vorgehen in der orientalischen Frage nicht nur dem Talmud, sondern, genau genommen, selbst der Bibel widerspreche. Manche kostspielige, mit namhaften Opfern der Gemeinde zu Stande gebrachte Synagogengebäude mußten wegen der östlichen Richtung der Vorderseite eine den gebildeten Geschmack beleidigende Verunstaltung erfahren. Die sporadisch gewagten Reformvorschläge blieben erfolglos; denn die Gemeinden verlassen nicht leicht ״der Gebräuche tief getretene Spur". Nachdem die Gemeinden den Schwerpunkt der Synagoge, d. i. den Hechal, nach der Ostfeite verlegt, fanden sie es natürlich, den Eingang in die Synagoge an der Westseite anzubringen. Dies geschah jedoch