Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 11)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. 315 Der Talmud theilt Palästina in drei Provinzen, welche er als L ä n d e r bezeichnet, nämlich : Judäa, das t r a n j o r d anische Land und Galiläa. Dem Wohnsitze der Kuthäer wurde die Ehre nicht gegönnt, als besondere Provinz des h. Landes genannt zu werden. Derselbe wird blos als ״Riemen" — רצועה — bezeichnet, welches Galiläa von Judäa trennt (Ben Chananja VH. Jhrg. 1869 Beil, zu Nr. 1. Col. 20—22. 37—40. 81—83 m. Aufs.: Galiläa und die Galiläer. Berichtigung einiger Jrrthümer Renan's). Auf das ostjordanische Land reflectiren die talmudischen Quellen nur in geringem Maße, da dasselbe während der talmudischen Periode nur eine sehr dünne jüdische Bevölkerung hatte. (Rapoport, Erech Millin. 2118..). Es kommen mithin nur zwei Provinzen in Betracht: Judäa und Galiläa. Renan hat beiden Provinzen eine tendenziöse Beschreibung gewidmet, um Galiläa, die Wiege des Christenthums auch vom Standpunkte der physischen Geographie zu verherrlichen, und Judäa als eine unfruchtbare Stepps erscheinen zu lassen. Er ist hierin, wie ich an einem andern Orts zeigte, viel zu weit gegangen, und seine Schilderung steht theilweise mit den beglaubigten Quellen in direktem Widerspruch. Soviel ist aber unbestreitbar, daß der Norden Palästina's, Galiläa, den Süden, Judäa an Ergiebigkeit des Bodens, an Mannigfaltigkeit der Landesproducte, und daher an materiellem Wohlstände bei Weitem übertraf. Die Fruchtbarkeit eines Theils von Galiläa, das Stammgebiet Ascher's, wird schon in dem Segen Jakob's und Mose's gepriesen (1 M. 49, 20; 5 M. 33» 24). Dieses Gebiet lag in den Niederungen des Karmel, an der Küste des Mittelmeeres, und erstreckte sich bis hinauf zu den gebirgigen Gegenden Sidons. Es war einer der fruchtbarsten Landstriche, ergiebig an köstlichem Waizen, Wein und Oel. An Letzterem hatte das Gebiet den