Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 9)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. 313 gleich als wollten sie erflehen, daß sie aufgehe (Jos. vom jüd. Kr. H. 8, 5.V' Manche Histor ker, wie noch August Neander, dachten bei diesem Berichte au persische Lehren, und an die Verehrung der Sonne (Allg. Gesch. d. christ. Kirche 1,80.). Aber schon Bellermann sah ein, daß es unstatthaft ist, den streng monotheistischen Charakter des essenischen Cultus in Zweifel zu ziehen. Er führt Apostrophen an die Sonne auch aus christlichen Gesangsbüchern an. (Geschichtl. Nachr. aus d. Alterth. über Essäer und Therapeuten S. 44). Auf die Morgenandacht der Essäer wird auch im Talmud angespielt (Sabb. 118, b Beer, d. Buch der Jukiläen S. 19. Scharr, he-Chaluz 7,53.). Dem Beispiele der Essener folgten die ältesten Christen, indem sie ihre Gebete nach Osten zu richteten (S. d. Nachm, bei Lengerke, Daniel S. 280.). Die Folge davon war, daß es den jüdischen Schriftgelehrten im h. Lande widerstrebte, das Gebet nach Osten zu richten, und daß sie, um gegen das zunehmende Ketzerthum mit allem Nachdrucke zu protestiren, die Richtung nach Westen empfahlen (B. Batra 25. a.: לך משתחוים למערב). R. Abuhu in Cäsarea» der oft mit Judenchristen disputirte, stellte den Satz auf: Die Schechina ist im Westen (B. Batra a. a. O.). Denselben Antagonismus nährten die persischen Schriftgelehrten dem Parsismus gegenüber. R. Scheschet in Schilhi am Tigris wußte, nachdem er erblindet war, die Weltgegenden nicht zu unterscheiden. Er sagte seinem Diener: laß mich ungestört nach jeder Weltgegend beten, nur nicht nach Osten (B. Batra a. a. O. Nach Schorr ist der Protest gegen die Anhänger des Manes gerichtet. S. he-Chaluz 7, 85.). Sonst theilte er die Meinung anderer Schriftgelehrten, daß die Sche« china allenthalben zu sinden ist. Merkwürdig genug wird die Allgegenwart Gottes zum Gegenstände einer Streitfrage gemacht. Es ist dies jedoch leicht erklärlich, da in dem talmudischen Schrift.