Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 7)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. SN deslade mit Zubehör im zweiten Tempel gar nicht vorhanden war. Hier liegt also der gewiß wunderliche Fall vor, daß sich die talmudische Halacha poetische Licenzen erlaubt, welche theils mit dem talmudischen Ritualgesetze, theils mit dem, vom Talmud selbst erzählten geschichtlichen Sachverhalte in unversöhnlichem Widerspruche stehen. Dies bewog wol sefardische Schriftsteller des Mittelalters, den fraglichen Passus nicht in ihre Compendien aufzunehmen (So schon Alfassi Berach. 21 b. Ihm folgt Maim. Tefilla 5, 3. So auch Jsaac Aboab Men. ha Maar III. 10. Tur Or. Chajj. 94, wie Sch. Ar. das.) und denselben sogar in den Talmudhandschriften zu streichen (Bet Natan 16, b, Rabbinowicz, Dikd. Soferim, Ber. 78. a Anm. ב.). Die Germanofranken nahmen die Baraita unverkürzt aus (Äschert Ber. 4,19. R. Jeyucham 6 Meschullam in der Provence folgt den Sefardim. I. 3,4.). In dem in Deutschland geschriebenen Münchner Codex von 1343 liegt dieselbe ebenfalls vollständig vor (Rabbinowicz a. a. £>.). Die Barajta deducirt ihre Anleitung aus Stellen des salomonischen Gebetes. Die Lesearten dieser Beweisstellen schwanken, weil mancher Abschreiber aus dem Buche der Könige, mancher aus der Chronik, mancher einzelne Stellen sogar aus dem Gedächtnisse citirte (Rabbin. a. a. O>). Hieronymus kennt die Sitte der Juden, sich beim Gebete dem jerusalemischen Tempel zuzuwenden. Die Begründung derselben findet er schon in der!Thora, und zwar in den Worten: ״ לשכנו תדרשוnach seinem Wohnsitze sollet ihr streben (5 M. 12,5)/' Die Frage, ob die besprochene Sitte nur während des Tempelbestandes oder auch nach der Zerstörung des Tempels in Anwendung kam, hätte, wie bereits erwähnt wurde, schon aus dem Wortlaute der Mischnah in letzterem Sinne entschieden werden müffem Damit stimmt auch, wiewohl aus anderen Motiven, die Entscheidung beider Gemaren überein (Toff. Ber.