Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 10)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. 22! Talmud schöpft hieraus die Ermahnung, daß man nur in einem mit Fenstern versehenen Hause sein Gebet verrichte (Ber. 34 l>). Diese Ermahnung galt jedoch ursprünglich ebenfalls nur den Individuen, nicht den Gemeinden. Die Synagogen durften fensterlos bleiben, wenn sie unbedacht waren, so daß das Licht reichlich von oben hineinfiel. In orientalischen Gemeinden gab es noch im fünfzehnten Jahrhundert Synagogen, in denen der Gottesdienst in der Regel unter freiem Himmel abgehalten wurde. Peter della Balle beschreibt eine Synagoge zu Aleppo in folgender Weise: ״Sie besteht aus einem offenen, sehr großen Hosraum, rings umher mit bedeckten Gängen oder Hallen versehen, die von einer doppelten Reihe in guter Ordnung gestellten Säulen unterstützt sind. Wenn man durch das Thor eintritt, so findet man rechter Hand nebst dem bedeckten Gange, noch einen großen Saal, in welchem bei regnerischer oder kalter Witterung der Gottesdienst gehalten wird, der sonst im offenen Hofe stattfindet (Reisebeschr. IV, 12, Sendschr. S. 195. Vgl. Peter Beer, Sekten 1,338). Maimonides, in Betreff der fensterlosen Synagogen zu Nathe gezogen, erklärte unumwunden, daß die talmudische Empfehlung der Fenster nicht auf die Synagogen auszudehnen sei. Ja er ging so weit, dieser Empfehlung auch dem Individuum gegenüber eine blos metaforische Bedeutung zu vindiciren. Der Talmud, sagte er, will hiermit die Andacht beim Gebete empfehlen: der Betende versetze sich in eine so gehobene Stimmung, als ob er sich unmittelbar vor Jerusalem befände. (Pe'er ha—Dor 141). Diese Deutung entspricht aber nicht dem natürlichen Wortsinne des Talmuds, welchem Maimonides selbst in seinem Gesetzbuchs folgt (Tef. 5, 6), worauf schon Asulai hindeutet. Derselbe berichtet zugleich, daß Isaak Rapoport, Rabbiner zu Jerusalem und Smyrna in der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts, die dachlosen Synagogen als ritualgemäß vertheidigt, wiewol sich dieselben nicht des Beifalls der