Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829584-2829590-2874800--22220-2874840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der fynagogale Ritus. 221 Sofa, noch auf einem Stuhle, noch auf einem Subsellium, noch überhaupt aus einem erhöhten Orte; denn vor Gott soll sich der Mensch nicht erheben, weil geschrieben steht: Aus der Tiefe rufe ich dich an, o Herr (Pf. 130,1). Nur Alte oder.Kranke dürfen sich erlauben, von dieser Regel abzuweicheu (Toss. Ber. III, p. 7,24 B. das. 10 b. Alfassi citirt den Schriftvers mit den Worteu: ואע״פי שאין ראי׳ לדבר זכר להדר. Der in der Gemara anqeführte;weite Vers findet sich in alten Handschriften nicht. S. Bet Natan z. St.). Diese Warnung betrifft allerdings nur das Individuum. Der skrupulöse Sinn hat sie aber konsequenter Weise auch auf die Gemeinde ausgedehnt. Die Synagogen mußten es daher durch ihre Bauart den Andächtigen ermöglichen, den Herrn aus der Tiefe anzurufen. Maimonides läßt das Bibelcitat unerwähnt. Auf einem erhöhten Orte soll man nach seiner Meinung nicht beten, weil die Furcht herabzustnrzen, die Andacht des Beters stört. Auf einen geräumigen erhöhten Ort kann daher Beschränkung nicht angewendet werden. (Tefilla 5, 6.7. Ueber die das. erwähnten Maffe s. Sabb. 14,1. 7). Mit dem angeführten Psalmverse beschäftigt sich der Sohar angelegentlich, und es hat mindestens den Anschein, als wollte er gegen die talmudische Anwendung desselben polemisiren. Er läßt zwei Erklärungen zu Worte kommen: I. Aus der Tiefe des Herzens rufe ich dich an, o Herr. 2. Aus der geheimen translunarischen Segensquelle, ״die Tiefen" genannt, rufe ich Gottes Hilfe herbei (Sohar in, 70 a), und giebt der letzter» Erklärung den Vorzug (Sohar II, 63 b. Vrgl. I, 221 a. in, 26 a, 69 b, 107 a, 265 a). Die erstere wird von Simeon de Muis, einem eifrigen christlichen Vertheidiger der Massora im I7ten Jahrhundert, als eine griechische Glosse angeführt. Vom Individuum auf die Synagoge wurde auch die Regel übertragen, das Betlokal mit Fenstern zu versehen. Der Talmud beruft sich dabei auf das Beispiel Daniel's, welcher bei