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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 5 · p. Seite 220

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 5
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 220 (sequence 7)
Language
German
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220 Der synagogale Ritus. ״dem Himmel und den Menschen" gerecht zu werden, empfiehlt R. Jo8l, bei der Erbauung eines jeden Wohnhauses darauf zu achten, daß es von der Synagoge überragt werde (Bajit Chadasch, Or. CH 150). R. Abraham Gumbinner meint, daß die talmudische Vorschrift heut zu Tage veraltet sei, indem allenthalben christliche Häuser die Synagoge überragen, so daß über. Haupt nicht mehr möglich ist, derselben die ihr vom Talmud zugedachte Auszeichnung zu verschaffen (Mag. Abr. 150,2). Trotzdem wurde es in Polen üblich, au einer Seite der Synagoge eine, die Wohnhäuser überragende eiserne Stange anzubringen, um der Anforderung des Talmuds Genüge zu leisten (Mag. Abr. a. a. O.). Die Sitte wurde aus Polen auch nach Deutschland verpflanzt. Bodenschatz nimmt sie 1748 in seine Beschreibung deutscher Synagogen auf (Kirchl. Verfaffung 2, 33) und 1786 im Todesjahre Mendelssohn's, wird die Aufrechthaltung derselden von R. Josef Tsomim in Frankfurt an der Oder angelegentlich einpfohlen (Peri Meg. Eschel Abr. 150, 2, 3). Die angeführten Schriftsteller sprechen so klar und unzweideutig, daß hier der Gedanke an einen Blitzableiter gänzlich ausgeschlossen bleiben muß, wiewol sonst unleugbar selbst die älteren Bestandtheile des Talmuds als bekannt voraussetzen, daß der Blitz vom Eisen angelockt werde (Toss. Sabb. VII. p. 118.5), was in den Geschichten der Erfindungen bisher ignorirt wurde. Trotz der eisernen Stange, durch welche die Synagoge über andere Gebäude hervorragen sollte, waren die deutschen und polnischen Synagogen so gebaut, daß man in das eigentliche Betlokal auf einigen Stufen hinabsteigen mußte. Dieser auch in den orthodoxen Synagogen der Gegenwart beobachtete Einrichtung liegt ein Mißverständniß zu Grunde, welches schon in der talmudischen Zeit verbreitet war. In den talmudischen Quellen wird nämlich folgende Warnung wiederholt: Beim Gebete stehe man weder auf einem

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