Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 4)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. 217 Andere stellten die Kollision zwischen Lehre und Leben für den vorliegenden Fall gänzlich in Abrede. Die Lehre, sagten sie,, gilt nur der flachen Bedachung des Orients, nicht aber der schiefen des Abendlandes. Die Hantirung in einem Raume, aus welchem man auf die Synagoge herabsieht, ist für letztere zu׳- rücksetzend; auf schiefen Dächern kann aber keine Hantirung vorgenommen werden! R. Jakob Tam, der unermüdliche Vertheidiger des Statusquo, stand auch hier an der Spitze oer Apologeten der Gegenwart. Allein trotzdem gab er einem seiner Verwandten, welcher sein eigenes Haus erhöhte, ohne die architektonische Einschränkung des Talmuds zu berücksichtigen, den gemessenen Auftrag, auch an der Synagoge eine, wenn auch nur partielle Erhöhung zu bewerkstelligen, um der talmudischen Norm gerecht zu werden. Eine gleiche Maßregel wurde im 13ten Jahrhundert in Nürnberg getroffen. Auch hier war es eine Autorität ersten Ranges, R. Me'ir aus Rothenburg, welche sich dafür entschied. Ohne die archäologische Unterscheidung der Dachformen zu desavouiren, fand man es dennoch in einzelnen Fällen angezeigt, eine strengere Skrupulosität walten zu lassen. Der Kasuistik war. jene Unterscheidung willkommener Grund und Boden für ihre Operationen. Den Grund derselben vor Augen behaltend, lehrte sie, daß der Boden unter dem Dache, der zu allerlei Beschäftigungen gebraucht wird, nicht höher sein dürfe, als die Synagoge (Aschen Sabb. 1,23. Hagg. Maim. Tef. 11,3). In der Türkei wurde die in Rede stehende Frage zuerst von der spanischen Emigration ventilirt, welche die jüdische Schriftgelehrsamkeit aus dem Westen nach dem Osteir verpflanzte. In ihrer alten Heimat waren die Emigranten allem Anscheine nach gewöhnt, die Praxis auch in diesem Stücke von der talmudischen Theorie dominirt zu sehen. In ihrer neuen Hei, mat kam es dagegen nicht selten vor, daß die Synagogen nicht