Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 3)
- Language
- German
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216 Der synagogale Ritus, zu, seine Stadt, Mata Mehasja, durch Beobachtung dieser arch׳- tektonischen Norm vor Zerstörung bewahrt zu haben. Die babt konische Gemara fügt treuherzig hinzu: Die Zerstörung Matr Mehasja's blieb in der Folge trotzdem nicht aus; es wäre! aber nicht die die Synagoge überragenden Dächer, welche die Katastrophe herbeigeführt haben (Sabb. 11 a). Graetz bezieht d. St., so wie B. B. 3 b auf ein Lehrhaus (Gesch. 4,439). ^ies ist jedoch ein Jrrthum. Nicht vom Lehrhause, son: vern von der Synagoge ist die Rede; nur von dieser, nicht von jenem handelt die angeführte Baunorm! In Persien wurden Festungsbauten mit wachsamer Sorgfalt kultivirt, deren Höhe von den Synagogen nicht erreicht werden konnte. Die Norm wurde daher eingeschränkt: nur die Wohn- Häuser, nicht aber die Thürme der Ringmauern soll die Synagoge überragen! In Europa brachten zuerst französische Schriftgelehrte die Höhe des Synagogengebäudes zur Sprache. Nachdem das Talmudstudium daselbst im eilften Jahrhundert zu einer früher nicht gekannten Blüthe gelangt war, konnten sich die Schriftgelehrten bei mannigfachen Veranlassungen nicht verhehlen, daß die religiöse Praxis durchaus nicht der talmudischen Theorie entspreche. Diese Wahrnehmung trat ihnen auch in Ansehung der religiösen Architektonik entgegen: Juden besaßen Häuser, welche an Höhe die Synagogen hinter sich ließen. Es fragte sich nun, wie dieser Widerspruch zwischen Lehre und Leben zu lösen sei. Einzelne Schriftgelehrte forderten, daß sich das Leben der Lehre unterordne. Die Hausbesitzer sollten in Bezug auf ihre Häuser destruktiv Vorgehen, um dem talmudischen Konservatismus Rechnung zu tragen. In der theilweisen Destruktion der Häuser bestand nach ihrer Behauptung auch die rettende Thal R. Asche's in Mata Mehasja.