Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Agada der Tannaiten
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 14)
- Language
- German
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184 Die Agada der Tannaiten. sich zuwendet, wenn sein Angesicht heiter, er selbst bei klaren! Bewußtsein ist; wenn der Tod ihn redend ereilt, wenn sein: letzten Worte die Thora oder die religiösen Pflichten zum Gegen: stände hatten. Ein gutes Zeichen sind ferner Frohsinn uno Lachen in der Todesstunde; ferner wenn der Tod am Rüsttags des Sabbath oder des Versöhnungstages eintrifft. Den genann- Len guten Zeichen entsprechen die entgegengesetzten bösen ־* *). Ein anderer die Todesstunde betreffender Satz von Ben A22ai ist schon oben erwähnt worden a). An Akiba's Satz über das große Grundgebot der Thora *) schloß Ben SÄzzai den Satz, daß ein noch größeres Prineip als das der Nächstenliebe in der Lehre der heiligen Schrift gegeben sei (Gen. 5, 1), wonach der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen sei^). Das Gebot, Gott mit ״ganzer Seele" (Deut. 6, 7) zu lieben, erklärte Ben Azzai ähnlich, nur energischer *) In der angeführten Barajtha stehen zuerst die bösen, dann die guten Zeichen. *) S. oben S. 175 f. *} S. oben S. 268** *) SifrL zu Lev. 19,18 (89 b) זה ספר תולדות אדם זד. כלל גדול מזה, ebenso jer. Nedarim 41 o. In Gen r. o. 24 Ende, wo Ben A22ai's Satz dem Akiba's vorangeht (s darüber weiter unten): זה כלל גדול כתודה. . . Mit den Worten זה מפד תולדות אדם ist nicht der gemeinte Grundsatz selbst gegeben, sondern nur der Anfang desselben, und das Princip liegt nach Ben A22ai in den Worten: בדמות אלהים עשה אותו. Daher darf man den Unterschied der Principien Akiba's und Ben A32ai's nicht, wie z. V. Weiß II, 126 es thut, in dem Gegensätze von דעך und אדם suchen, sondern der Sinn des Ben AEi'schen Principes geht dahin, daß die stete Rücksicht auf die G o t t e s e b e n b i l d l i ch k e i t des Menschen eine weitere und festere Grundlage der gesellschaftlichen Sittenlehre ist, als das Gebot, den Nächsten wie sich selbst zu lieben. So exemplificirte das Princip schon Tanchuma, der berühmte Agadist, in Gen. r. z. St.: Sage nicht, nachdem ich Schimpf und Erniedrigung erduldet, soll auch mein Nächster sie erdulden, sondern wiffe, wen du dann schmähen würdest: den in Gottes Bilde Geschaffenen. Vgl. auch R. A. b- David im Comm. zu Sifra a. a. O.; Tos afoth (QM דעת) zu Gen. 5,1.