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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 4 · p. Seite 168

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 4
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 Der synagogale Ritus. An den Strömen Babels Da saßen wir und weinten: Inden! wir Zion's gedachten. Hier soll von Synagogen die Rede sein, die ״wie bekannt gemeinhin am Wasser angelegt waren (Die Psalmen S. 203)''. Aus jüdischen Quellen wird ein einziger Beleg angeführt unidieser ist nicht stichhaltig. In dem den Juden von der Stad» Halikarnaß in Carlen ertheilten Privilegium, welches Josefus mittheilt, wird den Juden unter Anderem das Recht eingeräumt, nach der väterlichen Sitte am Meere Gebete zu verrichten (Archäol. XIV 10,23). Daraus kann aber nur geschloffen werden, daß die jüdische Gemeinde zu Halicarnaß ihre Synagoge am Meeresstrande erbaut hatte. Von einer allgemeinen Sitte, Synagogen am Wasier anzulegen, schweigen die jüdischen Quellen ganz und gar. Dieses Schweigen ist desto entscheidender, je öfter sich denselben die Gelegenheit darbot, die fragliche Sitte zu berühren. Aber auch die Zeugnisse, die aus classischen und christlichen Quellen angeführt werden, haben nicht die geringste Beweiskraft. Die oft angeführten Worte Juvenal's berühren nur den Wohnsitz der Juden in Rom, nicht aber ihre Synagoge (Sat. 3,11—14). Tertullian's littorale Gebete der Juden sind wahrscheinlich aus der: Schilderung der Scene in Philippi geflossen. Möglich beruhen sie auf einem Mißverständnisse. Da die Marktplätze in manchen Städten Palästina's am Ufer eines Flusses oder Seees lagen, konnte Tertullian in Uebereinstimmung ■mit der Wirklichkeit von einem littoralen Cultus der Juden reden. Von jüdischen Schriftstellern wurden die Nachrichten über den Littoralkultus gänzlich ignorirt, bis sich Wiesner davon irre leiten ließ und sogar die Taschlich-Ceremonie für eine schwache Spur der alten Sitte, am Waffer zu beten, erklärte (Schol. 1, 6). Aus dem Mittelalter und der neueren Zeit laffen sich aber wirklich direkte Empfehlungen des Gebetes am Waffer vernehmen.

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