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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 4 · p. Seite 167

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 4
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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Der synagogale Ritus. 167 Procesfionen nicht vor. Es ist mithin ein vergebliches Bemühen, die Notiz über den Vorgang in Philipp! in Makedonien (Apg. 16,13) für einen Ausfluß jüdischer Sitte zu erklären. Der Verfasser der Apostelgeschichte war in die Kenntniß der jüdischen Sitten und Riten nicht eingeweiht. Da die Calamitäten, auf deren Abwendung die Andachtsübung im Freien hinwirken sollte, keinen Unterschied der Confesfion kannten, so war es natürlich, daß sich in Städten von gemischter Bevölkerung auch Nichtjuden bei denselben einfanden. Tertullian spricht ausdrücklich von der Theilnahme der Heiden an dem im Freien abgehaltenen F a st e n k u l t u s der Juden (äs jejuniis e. 16). Trotzdem haben die Kirchenhistoriker seine Worte auf die jüdischen Feste bezogen (Neander, Gesch. d. Pflzung. u. Leitung d. christl. Kirche 1,241, Anm.). Irrthümlich. Beim festlichen Cultus blieben die Andächtigen in der Synagoge. Was mag die Gemeinden bewogen haben, den Fastengottesdienst aus der Synagoge auf den Marktplatz zu verlegen? ' Ursprünglich dürfte dies aus Opportunitätsrücksichten geschehen sein: der Andrang des Volkes war so groß, daß die Synagoge die Andächtigen nicht fasien konnte. Die Gemara findet darin. symbolische Bedeutung: ״Betrachte uns, 0 Gott so, wie wenn wir in's Exil gegangen wären"! Oder: ״Wir haben uns im Verborgenen gedemüthigel und sind nicht erhört worden; jetzt wollen wir uns öffentlich demüthigen (Jer. Ta'an. 2,1, B. das. 16 a)״! Um ein ruutestamentlich-exegetisches Bedürfniß zu decken, behaupten christliche Archäologen ferner, daß die Synagogen sich meist in der Nähe von fließendem Wasser befanden (Winsr, Realwrtrb. Art. Synagogen). Eine Anspielung darauf findet Hitzig sogar in den Psalmworten: (137,1).

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