Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
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166 Der synagogale Ritus. erst der berühmte Leydener Professor, Ludwig de Dieu (ge i. 1642) geltend zu machen. Indem die Juden, sagt er, %e Synagogen im Freien errichten, folgen sie dem Beispiele ihr s Stammvaters Jsaac, der sich auf's Feld begab, um seine Andacht zu verrichten. Vitringa stimmt ihn! hierin bei (äs sy4. vet. 218). Es liegt hier der gewiß höchst seltene Fall vor, daß protestantische Theologen rabbinischer gesinnt sind, als die Rabbinen selbst! Christliche Theologen reden auch von jüdischen Bet- Plätzen, welche sich außerhalb der Stadt auf freien Plätzen befanden und oft keine Bedachung hatten. Hier waltet jedoch ein Mißverständniß ob. Synagogen ohne Bedachung kamen im Oriente vor. Aber Gebetplätze, wie die beschriedenen, gab es in keinem Lande. Veranlassung zu diesem Mißverständnisse gaben die Gottesdienste, welche im h. Lande an den wegen anhaltender Dürre angeordneten Fasttagen unter freiem Himmel auf dem Marktplatze abgehalten wurden * *), welcher sich an manchen Orten innerhalb, an manchen» außerhalb der Ringmauern der Stadt befand a). Wegen der auf den Marktplätzen abgehaltenen gottesdienstlichen Versammlungen vindizirt die Mischnah denselben einen gewissen. Grad von Heiligkeit *), was jedoch manche Schriftgelehrte nicht gelten lassen, weil jene Gottesdienste nur kasuellen Charakter haben 4). Aber selbst die Mischnah zeichnet nur die Marktplatze des h. Landes aus, denn nur hier war es Sitte, die Bittgebete und die Predigt aus der Synagoge auf den Marktplatz zu verlegen. In den Gemeinden der Diaspora kamen solche l) Ta'an. 2,1. a) Sanh. 10, 6. •) Meg. 3, 1. ־*) Meg. 26 a.