Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. lüg ben einen kultuellen Charakter angenommen hatten, ebenfalls in's Freie zu verlegen. Galt es einmal für eine Auszeichnung der Tempel, daß die Nachbarschaft unheiliger, im Oriente wol auch unreiner Menschenwohnungen sie nicht berührte; so ist es begreiflich, daß auch die Juden beflissen waren, ihren Cultusgebäuden eine gleiche Auszeichnung zu verschaffen. Die Feldsynagogen sind indeß mit größerer Wahrscheinlichkeit auf persische Intoleranz zurückzuführen. ״Die Behauptung Herodots", sagt Rapp, ״daß die Perser keine Tempel gehabt, wird nicht nur durch die gutbeglaubigte Sitte, im Freien den Gottesdienst zu halten, sondern auch dadurch bestätigt, daß sie überall, wo sie hinkamen, die Tempel anderer Völker zerstörten. (Ztschrft. d. D. M. G. 20, 80)". Götterbilder, die den Persern so verhaßt waren, waren wol in den Synagogen nicht vorhanden; aber ein dem Cultus gewidmetes Gebäude konnte ihnen nicht sympathisch sein, da ihre eigene Religion ein solches nicht kannte. Nach der von Ardschir vollzogenen Saffanidischen Restauration mochten die jüdischen Gemeinden, selbst wenn es ihnen nicht direkt geboten wurde, auf den Gedanken gerath en sein, der Herrschenden Nationalität und Religion kein Aergerniß zu geben und sich daher nicht im Innern der Stadt zum Gottesdienste zu versammeln. Möglich ist ihnen dies geradezu verboten worden. Die Geschicke der jüdischen Gemeinden unter den Saffaniden sind bei weitem nicht so ausführlich verzeichnet, daß das Schweigen der Quellen über den einen oder andern Punkt als entscheidend angesehen werden könnte. Die Verhandlung über die Mesusah- Frage in Mechusah fällt ebenfalls in die Zeit der Saffaniden- Herrschaft, und sie ist eben kein glänzendes Zeugniß persischer Duldsamkeit I Hieraus ließen sich zwei Thatsachen erklären: eine geogra« phische und eine chronologische. Beide sind bisher ganz unbeachtet geblieben. 11*