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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 3 · p. Seite 109

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 3
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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Der synagogale Ritus. 109 hergehenden Verse, welcher von der Abhaltung öffentlicher Gebete spricht, werden Thors nicht erwähnt. Dasselbe gilt von den talmudischen Quellen. Zwar zieht der Talmud die Stadtthore mit in den Kreis seiner Legislatur, indem er es den jüdischen Einwohnern von Städten mit überwiegend jüdischer Bevölkerung zur Pflicht macht, die Thore der Stadt mit Mesusoth zu versehen. Die jüdischen Einwohner der Stadt Machusa am Tigris, welche die Majorität der Bevölkerung bildeten und dieser Pflicht gleichwol nicht nachkamen, werden mit socialen Rücksichten gerechtfertigt: das Anschlägen der Mesusoth hätte den nichtjüdischen Einwohnern leicht als Hexerei erscheinen können; darum mußte es unterbleiben *). Bei manchen rituellen Fragen wird darauf reflectirt, ob die Thore der Stadt zu einer gewissen Zeit geöffnet oder geschloffen waren *). Eine Versammlung oder Sitzung im Thore oder vor dem Thore ist aber dem Talmud ganz und gar fremd. Die Targumim sind in sichtbarer Verlegenheit, wo sie das biblische שער übersetzen sollen. Sie lassen es zuweilen unübersetzt *); zuweilen geben sie es mit Pforte des Gerichtshauses * * * 4), zuweilen mit Synagoge, בי כנשתא *), wieder. Dagegen geben die Quellen den Synagogen der talmudischeu Zeit eine Baustätte, welche uns beinahe noch fremdartiger erscheint, als das Stadtthor: die Synagogen wurden nicht innerhalb der Städte, sondern auf freiem Felde angelegt. Das älteste Zeugniß dafür bietet das talmudische Familienrecht in seinen Bestimmungen über Findlinge. Findlinge sind nämlich nach dem talmudischen Familienrechte von der jüdischen Spigamie ausgeschloffen, weil man über die *) Joma 11 a. *) «etu&. 15 a. B. Bathra 24 s. •) Onkelos 5 M. 22,15. 4) Ps. 127,4. Jon. 5 M. a. a. O. •) Amos 5,12.

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