Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
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108 Der synagogale Ritus. Denn nicht die im Tempel opfernden Priester, sondern die in den Volksversammlungen redenden Propheten haben den Monotheismus für alle Zeiten gegründet. Die heutigen Synagogen sind keine Surrogate des jerusalemischen Tempels, wofür sie oft erklärt werden, sondern die Töchter der alten Volkshäuser, Versammlungshäuser und Gottesstätten, welche die Werkstätten des Monotheismus waren. Zweites Kapitel. Baustätten der Synagoge». Die ältesten Gemeindehäuser waren mit den Stadtthoren verbunden; die Verbindung wurde aber spätestens in der ssleucidischen Zeit ganz und gar aufgehoben. Den Archäologen ist dies entgangen, es liegt aber nichts desto weniger klar vor Augen. Die Dichtersprache der makkabäischen Zeit erwähnt das Thor noch als Versammlungsort der Gemeinde (Ps. 127, 5). Aber weder bei Sirach, der zu wiederholten Malen von Versammlungen spricht (6, 34. 7, 14. 38, 33. 39,10. 41,18), noch in den Büchern der Makkabäer ist davon sine Spur. Eine Stelle aus dem 2. Buche der Makkabäer wird zwar öfters angeführt, um zu beweisen, daß man sich bei öffentlichen Unglücksfällen bei den Thoren versammelte; die Stelle hat aber nicht die geringste Beweiskraft. Sie erwähnt bloß, daß in dem Schrecken, welchen der Tempelraub des Heliodor us in Jerusalem verbreitete, auch Jungfrauen zu den Thoren liefen. Sie sagt aber nicht, daß daselbst Versammlungen stattfanden. In dem vor-