Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829584-2829588-2874680--22093-2874698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der synagogale Ritus. 107 kommen, wie in den Eingang des Volkshauses (33, 31)", d. i. in beträchtlicher Anzahl. Eine dritte, der prophetischen Sprache eigene Bezeichnung für Gemeindehaus ist מקרא. Sie findet sich in folgender Verheißung des Propheten Jesajas: ״Und schaffen wird der Ewige über jeden Wohnsitz des Berges Zion und über seine Versammlungsstätten eine Wolke bei Tag, und Rauch und den Schein flammenden Feuers bei Nacht (4, 5)". Manche handschriftliche und gedruckte Bibeln haben die Lesart!מקראר im Singular. Die Verheißung betrifft demnach die Privathäuser und das Municipalgebäude der Hauptstadt Jerusalem. Bei dem Worte מקרא findet mithin dieselbe Metonymie Statt, wie bei dem griechischen (tmaymyr!: es bezeichnet ursprünglich die Versammlung und dann den Versammlungsort. Als vierte, der poetischen Sprache eigene Benennung der Stadthäuser sind endlich die ״ G o t t e s st ä t t e n " des Psalmisten anzuführen. Das Recht, diesen anspruchvollen Namen zu führen, giebt den vorexilischen Stadthäusern die Entscheidung der zweiten Frage, ob es nämlich dem Worte der religiösen Belehrung gestattet war, sich in öffentlichen Gemeindeversammlungen vernehmen zu laffen. Diese Frage muß aber auch für die vorexilische Zeit bejahend entschieden werden. Die Richtigkeit dieser Entscheidung bekräftigen diejenigen, die von dem Rechte der öffentlichen, religiösen Belehrung den ausgedehntesten, freimüthigsten, Gebrauch gemacht haben: die Propheten! Der Ursprung der Gemeindehäuser und der in denselben gehaltenen Vorträge fällt mithin augenscheinlich in die vorexilische Zeit. Erstere können als unentbehrliches Requisit des Gemeindelebens nicht viel jünger sein, als das Gemeindeleben selbst; jedenfalls sind sie älter, als der Salomonische Tempel- Letztere hängen mit der Blüths des Prophetenthums zusammen. Und hierin liegt die historische Würde der Synagogen,