Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. 103 Zeit jedes Hofthor. Man nannte es Thorhaus; es wurde vom Wächter des Hauses bewohnt'). , Wie andere Häuser, hatte auch das mit dem Thore verbundene Stadthaus ein plattes Dach (2 Sam. 18, 24) und auf demselben sein Obergemach (2 Sam. 19, 5), wo die Aeltesten der Stadt Sitzungen hielten. Die Schrift sagt daher von den Parteien, die sich zu Gerichte begeben: sie steigen zum Thore hinauf (5 M. 25, 7, Ruth 4,1). Von der Sitte, in den Lokalitäten oberhalb der Dächer Sitzungen zu halten, sprechen noch Berichte der talmudischen Zeit a). Die erwähnten drei Vorstellungen entsprechen wahrscheinlich der architektonischen Entwickelung der städtischen Thore: die einfache Pforte wurde im Laufe der Zeit zum Doppelthore und dieses zum Durchhause umgestaltet, um den Versammlungen einen bequemeren Platz zu verschaffen. In manchen, namentlich größeren Städten wurde aber schon vor dem babylonischen Exils der Versammlungsplatz von dem Stadtthore getrennt und in ein eigenes Gebäude verlegt, welches daher auch eine eigene, seiner Bestimmung entsprechende Benennung erhielt, lieber die Erbauung dieser Häuser schweigt die Geschichte allerdings, sie spricht aber klar und unzweideutig von ihrer Zerstörung. In dem Berichte über die chaldäische Eroberung Jerusalems, heißt es nämlich: ״Und das Haus des Königs und das Hans des Volkes verbrannten die Chaldäer mit Feuer und die Mauern Jerusalems rissen sie ein (Jer. 39, 8)". Das Haus des Volkes! Darunter kann nach dem einfachen Wortsinne nichts Anderes verstanden werden, als das Gemeinde- Haus, wo die Stadtgemeinde im Interesse ihrer communalen Angelegenheiten Versammlungen hielt. ') B. Bathra 1,5. י) S. weiter d. Anm.