Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
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102 Der synagogale Ritus. Richtung entsprach das Stadtthor im biblischen Alterthume nach Maßgabe der damaligen, einfacheren Bedürfnisse dem heutigen Rathhaufe, dem Gerichtssaale und dem öffentlichen Notariate. Hieronymus motivirt diese Einrichtung, ohne Zweifel auf Grundlage der von seinen jüdischen Lehrern erhaltenen Informatton, folgender Maßen: ״Damit die Feldbauern nicht genöthigt seien, in die Stadt zu gehen und Spesen zu machen, saßen die Richter in den Thoren, um am Aus- und Eingänge der Stadt sowohl dis Stadtals Landbewohner zu vernehmen, sodaß Jeder nach beendetem Geschäfte sogleich in seine Heimat zurückkehren konnte ')״. Heber die Beschaffenheit der Stadtthore sind die Meinungen der Archäologen getheilt. Manche halten die Thors der Städte für einfache Pforten. Nach dieser Meinung war auch nicht das Thor, sondern der vor demselben liegende Marktplatz der Ort, wo die verschiedenen Angelegenheiten abgewickelt wurden. Nach Anderen geschah dies im Thore selbst, welches man sich aber nicht als einfache Pforte, sondern nach Art der heutigen Festungsthore construirt denken müsse, sodaß der Eingang und Ausgang des Thores durch einen größer» oder kleinern Zwischenraum von einander getrennt waren. In einem solchen Zwischenraume — ״zwischen den beiden Thoren" — saß David, Nachrichten von dem Ausgange der Empörung Abfalom's erwartend (2 Sam. 18, 24). Nach einer dritten Meinung war das Thor einer althebräischen Stadt ein Durchhaus, wie im heutigen Jerusalem der Durchgang eines großen alten Gebäudes als Kaffeehaus benützt wirda). Ein Durchhäuschen bildete noch in der talmudischen ') Opera V, p. 251, H. ף Schwarz d. heilige Land S. 431.