Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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Der synagogale Ritus. SS mit gewissen bibelkritischen Fragen befindet, namentlich mit den makkabäischen Psalmen und dem Abschlüsse des Bibelkanons. Im 74. Psalm läßt sich nämlich folgende Klage vernehmen: ״Sie — die feindlichen Eroberer, — sprechen in ihrem Herzen: Lasset uns sie allznmal vernichten! — Verbrannt haben sie alle Gottesstätten im Lande (V. 8)"! - Solange die Schriftauslsgung den 74. Psalm für eine Prophezeiung Assaf's hielt, bot die Erklärung des angeführten Schriftverses nicht die geringste Schwierigkeit. Die Mehrheit der Gottesstätten fand ihre Rechtfertigung in der Annahme, daß Assaf nicht nur historisch von der Zerstörung des Heiligthums zu Siloh durch die Philister, sondern auch prophetisch von der Zerstörung des ersten und zweiten jerusalemischen Tempels durch die Chaldäer und Römer rede *). Der geschichtlichen Schriftauslegung ist es nicht möglich, die Abfassung des in Rede stehenden Psalms einem Zeitgenossen David's zuzuschreiben. Die Schilderung der von ihm selbst erlebten Kalamitäten läßt entweder einen Genossen der chaldäischen, oder einen Genossen der syrischen Zeit in ihm erkennen. Den Plural der Gottesstätten bezieht man am passendsten auf die Synagogen, welche schon Aquila darunter verstanden hat. In diesem Sinne fassen auch die meisten neueren Schriftausleger die Gottesstätten auf und sie finden eben in der Erwähnung der Synagogen mit einen Beweis für den makkabäischen Ursprung des Psalms, da es in der chaldäischen Zeit noch keine Synagogen gegeben hat. Die christlich-orthodoxe Schule kann sich mit der Annahme makkabäischer Psalmen nicht befreunden, weil sie den Bibelkanon schon in der persischen Zeit zu gänzlichem Abschlüsse gelangen läßt. Sie hält daher den Psalm für ein Product der chaldäi- 'i Raschi zum Psalm 74,3,9. 7«