Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 32 (1883)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Agada der Tannaiten
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Agada der Tannäiten- ' 441 Akiba, um die Ehre seines Lehrers zu retten, mit-folgendem Gleichniß vor die Versammlung getreten: Ein König hatte zwei Töchter, die eine frech, die andere fromm; wenn die freche etwas begehrte, sagte der König: Es sei ihr gewährt, damit sie gehe. Wenn über die Fromme etwas erbat, hielt er mit der Gewährung zurück, da er möglichst lange ihr zuzuhören begehrte * *). Auf eine Fastenrede geht vielleicht auch die Deutung Akiba's zu Num. 10,9*), sowie die zu Deut. 5,14 zurück^). Von Akiba's Leichensprüchen war die Rede am Grabe seines Sohnes schon oben erwähnt^). Eine Mahnung an die Lebenden, den Tobten die gebührenden Ehren zu erweisen, fand er in den Worten: ״Der Lebende nehme es sich zu Herzen!" (Koh 7, 2). Er knüpfte daran, wie sein Schüler M e i r mittheilte 5), die in volksthümlichem Lakonismus gehaltenen aramäischen Sprüche: Uebe (Liebespflichten), damit ') Nach der ersten Quelle habe eine Himmelsstimme verkündet: Nicht weil der Eine größer als der Andere, wurde er eher erhört, sondern weil Dieser starr und eigensinnig. Jener milde und nachgiebig ist (. . אלא שזה מעביר על מדותיו וזה, אינו מעביר על מדותיו). Vgl. unten 6. 451, A. 2. Es ist beachtenswrrth, daß die hier Akiba nachgerühmte Tugend dieselbe ist, die sein Lehrer Nachum (f. oben S. 225*) als einen der Gründe seines langen Lebens rühmt. *) Sifrs z. St. 8 76. Die Worte על הצר הצורר bedeuten jede Not, die über die Gemeinde kömmt (על כל צרה וצרה שלא תבוא על הציבור). *) Deut. r. e. 2, tradirt von Iochan a n. Aus dem Singular בצר לך schließt Akiba, daß nur eine Bedrängniß, die der Einzelne fühle, Bedrängxiß genannt werde. *) S. oben S. 357. — Eine Sage über den von ״Chaldäern" geweiffagten Tod der Tochter Akibas an ihrem Hochzeitstage, der aber nicht erfolgte, weil ihn die Bedrohte durch Wohlthätigkeit abwandte, hat zur Pointe, daß Akiba darauf in öffentlicher Rede den zweiten Theil des Verses Prov. 10,2 angewendet habe, Sabb. 156 b. Die Sage ist in babylonischem Aramäisch abgefaßt. ') Jer. Kethnb. 31 b: ר׳ מאיר אומר משום ר׳ עקיבה, ebenso Tos. Megilla 4(3), 16; in Tos. Kethnb. 7, 6 ist bloß Meir genannt, ebenso im bab. Talmud, Kethnb. 72 a, Moed Katon 28 b, Nedarim 83 b; anonym in Koh. rabba zu 7,2.