Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Agada der Tannaiten
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 461 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Agada der Tannaiten. 461 Dieser polemischen Gespräche nun bietet sowol der babylonische Talmud als der palästinensische Midrasch eine beträchtliche Anzahl. In denselben ist der Kaiser H adrian') als Fragesteller genannt, in zweien seine Tochter. Nur einmal * *) wird erzählt, daß ein Christ') mit Josua im Palaste des Kaisers׳ pantomimisch disputirte. Jener deutete dem jüdischen Gelehrten mit Pantomime darauf hin, daß Gott sein Antlitz von Israel abgewendet habe ־*); Josua erwidert ebenso, daß Gottes Hand noch immer schützend über Israel ausgebreitet sei *). Die letztere Pantomime wird aber vom Ketzer nicht verstanden und er muß, ganz wie die athenischen Weisen, mit dem Tode seine Verwegettheit büßen. — Als Seitenstück zu diesem stummen Dispute wird ein anderer überliefert, in dem Josua die Ehre Israels gegen einen Ketzer vertheidigt; der Kaiser wird dabei nicht erwähnt *). Der Ketzer sprach I. höhnisch an: Du Dorngestrüpp, denn von euch ist geschrieben (Micha 7, 4): ״Ihr Bester ist wie Dorngestrüpp" Da entgegnete der Rabbi: Lies doch den zweiten Theil des Verses : ״Der Redliche ist ein Gehege". So wie diese, müße auch die erste Vergleichung in gutem Sinne aufgefaßt ') Im Midrasch ארריאנוס, im Babli bloß עיטר. a) Chag. 5 b. S. Grätz IV, 450, Güdemann, Rel. Stad. S. 139ff., Joel, Blicke in die Religionsgeschichte 1,35. *) אפיקורסא ,מינא. S. Friedmann, Beth Talmud 1,298. 4) Vgl. die Anwendung von Hof. 5,6 in dem Spotte eines Ungläubigen gegenüber Gamliel, S. 254. 4) Die Erklärung Güdemanns, daß sich die Pantomime auf Jes. 5, 25 und nicht auf die im Talmud erwähnten Verse beziehe, scheitert an der Unmöglichkeit, in ®לא שב א, und sei es auch in frei agadischer Weise, das Abwenden des Antlitzes zu finden, da אפו nur Zorn bedeutet. Wenn I. seine Gebcrde mit ירו נטויה עלינו erläutert, so wendet er einen biblischen Ausdruck an, der am klarsten die Zeichenspräche in die Wortsprache übersetzt. *) Erubin 101 a. Die Leseärt חנינא p ר' ייסי ist nur durch unrichtige Auflösung von רי״בח entstanden.