Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Über eine dunkle Stelle in Spinoza's theologisch-politischem Tractat
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 3)
- Language
- German
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Schriftsteller aus sich selbst heraus zu erklären, zur Erklärung einer Stelle in Deut, eine Stelle aus Hiob herbeiziehen. Diese Schwierigkeiten werden beseitigt, wenn wir auf die Quelle zu-׳ rüAgehen, aus der Sp. geschöpft Hat. Saadja') stellt folgenden Kanon für die Schriftauslegung auf: ״Die Bücher der Propheten sind nach dem Zusammenhang und ihrem Wortsinne auszulegen; nur bei folgenden vier Fällen muß man sie uneigentlich nehmen: erstens, wenn das Wort etwas allgemein durch die Sinne Bekanntes aufhebt, z. B. Gen. 3,20; oder etwas, was gegen den gesunden Verstand ist, z. B. Deut. 4, 24 G ott ist ein verzehrendes Feuer; oder wenn eine Stelle der anderen widerspricht, z. B. Maleachi 3,10 vgl. mit Deut. 6,16; oder wenn etwas mit der Ueberlieferung in Widerspruch steht, z. B. Deut. 25, 3. Die in solchen Fällen zu befolgende Methode besteht darin, daß man eine von der Sprache selbst an die Hand gebotene Auskunft sucht, indem aus dem Sprachgebrauchs eine für die betreffenden Wörter geltende Bedeutung ermittelt wird, durch deren Annahme der Widerspruch fortfällt." An dem zweiten Beispiel, das uns allein hier angeht, zeigt dies Saadja, indem er als Parallele Deut. 32, 22 herbeizieht und der Stelle den Sin» giebt: der Herr straft mit einem! verzehrenden Feuer, d. h. rasch und spurlos; das wird bewiesen durch Deut. 32,22 כי אש קדחה באפו. Offenbar hat Spinoza bei der Ausarbeitung seines hermeneutischen Kanons diesem Passus Saadja's vor Augen gehabt. Das geht schon daraus hervor, daß seine Aufforderung, diejenigen Aussprüche der Schrift aufzuzeichnen quae amhiguae vel obscurae sunt, vel quae iuvicem repugnare videntur ganz nach Saadja formulirt ist. Ihm ist aber auch das Beispiel aus Deut. 4,24 entlehnt, folgi^lil ׳ ..־י ii ■,:j '1 Emunoth TII, 1. S. 71 a der Berliner Ausgabe. Vgl. dazu Bacher, Abr. Jbn Esra's Einleitung S. 62.