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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1882-01-01 · Heft 6 · p. Seite 260

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
31 (1882)
Issue
Heft 6
Article
Die Agada der Tannaiten
Date
1882-01-01
Page
Seite 260 (sequence 20)
Language
German
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/ 260 Die Agava der Tannasten. getröstet!"*) Als Tröster Gamliels erscheint Akiba auch in einer andern Erzählung. Als der Patriarch nämlich einen Abschnitt des Propheten Jecheskels, 6. 18, oder nach anderer Version den 15. Psalm las, weinte er, die Unmöglichkeit bedenkend, den vom Propheten.— oder Psalmisten — aufgezählten Bedingungen der wahren Gerechtigkeit zu entsprechen. Da beruhigte ihn Akiba mit der Bemerkung, daß der Prophet an derselben Stelle ja auch die Merkmale des Frevlers angebe, Frevler aber auch der heiße, dem eines derselben anhafte: so darf Gerechter genannt werden, der nur einen Theil jener Bedingungen erfülle 2). Die Erinnerung an das verlorene Heiligthum strebte Gamliel auch im Volke wach zu erhalten; er verordnete, daß an die Stelle des nationalsten jüdischen Festes, welches zur Opferung des Passahlamwes ganz Israel auf den Tempelberg geführt Hatte, nunmehr ein Erinnerungsfest zu treten habe, indem am Abende von dem 14. auf den 15. Nissan jeder Israelit .verpflichtet sei- *)' 6ifre zu. Deut. § 43; Echa r. zu 5,18; b. Makkoth Ende. Synh. 8 i a, Makkoth 24 u. In Schocher tob zu ^15,5 ist der Bericht dem über den Besuch der Tempeltrümmer analog umgestaltet. Gamliel weint Lei den beiden Abschnitten, während Akiba lacht und, darüber von Gamliel befragt, mit der angegebenen, aber durch andere Deulangen noch erweiterten Bemerkung antwortet. Gamliel sagt ihm zum Danke: נחמתני עקיבא נחמתני (s. auch R. Hasch. 25 a, wo ihm Josua b. Chananja, über seine Verletzung durch Gamliel von ihm beschwichtigt, dasselbe zurufti- Offenbar ist diese Gestalt der Erzählung nicht ursprünglich, sondern der andern nachgemodelt. Es sei noch bemerkt, daß Gamliels Weinen ob der Unmöglichkeit, dem Ideal des Frommen zu entsprechen, an das Weinen Jochanan b. Lakkais auf dem Tobtenbette erinnert, das ebenfalls dem Gefühle der menschlichen Sündhaftigkeit vordem ewigen Richter entsprang, Berach. 28 d. Gegen dieses selbstquälerische Gefühl, daß in jener traurigen Zeit auch von den Größten nicht fern blieb, scheint der dritte Spruch des am wenigsten bekannten Schülers Jochanan b. Lakkai's, S i m o n b. N a tch a n e l (s. oben S. 247) sich zu wenden : ״Sei nicht Frevler in deinen eigenen Augen".

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