Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Geschichte der Juden in der Stadt Stendal vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zu ihrer Vertreibung im J. 1510
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 9)
- Language
- German
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180 Geschichte der Huden in der Stadt Stendal vom Ende Mit Bestimmtheit läßt sich erst um die Mitte des 15. Jahr- Hunderts die Existenz einer jüdischen Gemeinde Nachweisen, welche um diese Zeit gleich der übrigen israelitischen Einwohnerschaft der Mark Brandenburg von einem harten Schlage betroffen wurde'). Ihrer Wiederzulaffung setzte das Stadtregiment den hartnäckigsten Widerstand entgegen und erst nach mehrjährigen Unterhandlungen konnten die Landesherren im I. 1454 die Erfüllung ihres Wunsches erreichen* *). Mehr als ein Menschenalter geht nun vorüber, ohne daß wir irgend eine Kunde von den Schicksalen der Stendaler In denschaft erlangen. Erst 1490 stoßen wir auf eine Urkunde'), in welcher Kurfürst Johann erklärt, daß er zwei Inden mit Rücksicht auf die ihrerseits geschehene Ausführung seines Willens die Niederlassung in Stendal gestattet' habe. Die ihnen zugleich ertheilte Erlaübniß, auch einen Schlächter mitbringen zu dürfen, weist wohl daraus hin, daß damals keine israelitische Gemeinde daselbst bestand. Es dürfte demnach als wahrscheinlich anzuse- Heu sein, daß die Mitglieder derselben zwischen 1454 und 1490, vielleicht gar nicht lange nach ihrer Wiederaufnahme, von der dortigen christlichen Bevölkerung, welche einen höchst unduldsamen Geist gegen den jüdischen Stamm bekundet hatte, zur Aus- Wanderung genöthigt worden sind. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts aber hatte die Autonomie der altmärkischen Städte nach der Niederwerfung des bekannten, durch die Bierziese im I. 1488 hervorgerufenen. Aufstandes einen so starken Stoß erlitten, daß, namentlich in den nächsten Jahren, der Wille der Bürgerschaft der landesherrlichen Autorität gegenüber nicht zur Geltung gebracht werden konnte. ') cf. Januarheft 1882 p. 34/35. *)* Das Nähere hierüber id. p. 36 ff, •) Riedel 1. c. I, 25, p. 441.