Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Geschichte der Juden in der Stadt Stendal vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zu ihrer Vertreibung im J. 1510
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829556-2829561-2873432--20882-2873477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
des 13. Jahrhunderts bis zu ihrer Vertreibung im I. 1510. 17» willl, der unverständigen, stets zu Gewaltthaten geneigten Menge, auf welche die neue Behörde sich ja vorzugsweise stützen mußte, mit Nachdruck eutgegenzutreten. Und obwohl später die Situation des Markgrafen Ludwig sich bedeutend besserte, fand er es doch gerathener, mit seinen Widersachern auf gütlichem Wege eine Verständigung herbeizuführen. So machte er jenen denn bedeutende Zugeständnisse, und es ist daher nicht zu verwundern, wenn auch der Stadt Stendal in einer Urkunde vom 13. November 1351 außer andem Eoncessionen die Zusicherung ertheilt ward, daß die vordem gegen die Juden begangenen Ausschreitungen ״ungerichtet" bleiben sollten. Auch wird dem Rathe die Wiederaufnahme von Juden, jedoch unter Vorbehalt der markgräflichen Gerechtsame an denselben, anheimgestellt'). Der Rath scheint indeß kein dringendes Bedürfniß empfunden zu haben, von der ihm gewährten Erlaubniß Gebrauch zu machen, da wir noch in einer vom Markgrafen Otto ausgestellten Urkunde vom 22. März 1360, d. h. an dem Tage, wo ihm als Mitregenten seines Bruders Ludwig des Römers gehuldigt wurde, dieselben Zusicherungen und Zugeständnisse finden'). Ja noch 1369 ist die Stadt von jüdischen Einwohnern wohl entblößt gewesen, da wir in diesem Jahre von der Erbauung eines Hospitals durch das dortige Domstift in der ״sogenannten" Judenstraße hören'). Der Lückenhaftigkeit des uns zu Gebote stehenden Quellen- Materials ist es indeß wohl nur zuzuschreiben, daß uns fast während eines Jahrhunderts nach der Katastrophe, welche der ״schwarze Tod" für die jüdische Bevölkerung herbeiführte, keinerlei Spuren derselben in der Stadt Stendal entzegentreten. ') Riedel 1. ß. I, 15, p. 140. *) Ib. p. 153. •) Ib. p. 167. 12*