Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Agada der Tannaiten
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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ISO Die Agada der Tannaiten. beschäftigen, dann werde der auf ihr lastende Fluch (nach I Sam. 2,33), daß ihre Mitglieder im blühenden Alter Hinstarben, gelöst werden'). Daß der Eifer und Fleiß Jochanans sich vor Allem auf die heilige Schrift und ihre Erklärung richtete, ist in den angeführten Traditionen ausdrücklich angegeben, wie er auch der Erste ist, dem Beschäftigung mit ״Agada" zugeschrieben wird. Aber auch die erhaltenen Beispiele seiner Schriftauslegung und Schriftanwendung lassen es deutlich erkennen, wie sehr er bemüht war, in den Geist der Schrift einzudringen und wie die besten Eigenthümlichkeiten der Agada schon in seiner Exegese vertreten sind. Zunächst ziehen jene seiner Sätze dis Aufmerksamkeit auf sich, in welchen Satzungen der Thora auf ihre inneren Gründe zurückgeführt werden sollen und in denen eine maßvolle Symbolik oder Wortdeutung zu den schönsten homiletischen Anwendungen hinleitet. Warum wird dem hebräischen Knechte, der nach dem Verlaufe seiner Dienstjahre die Freiheit nicht antreten will, das Ohr durchbohrt (Exod. 21, 6)? Warum ist das Eisen vom Baue des Altares ausgeschlossen (Exod. 20, 25, Deut. 27, 5)? Warum wird der Dieb härter bestraft als der Räuber? Warum muß für einen entwendeten Ochsen fünffacher, für ein entwendetes Schaf nur vierfacher Ersatz geleistet werden? Die Antworten auf diese Fragen zeugen von Feinheit der Auffassung und hoher Gesinnung. Der Unwürdige, dessen Ohr das Wort vernahm, daß die Israeliten nur Gottes Diener seien sollen (Lev. 25, 55) und der trotzdem fremdes Joch auf sich nahm, soll am Ohre das Zeichen seiner ') Rosch Haschana 18 a. — Es verdient noch hier hervnrgehoben zu werden, daß in der Würdigung der Tannaiten am Ende der Mischna Sota von Joch an a n gesagt ist: ,משמת ריכ״ז בטל זיו החכמה.