Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1882-01-01 · Heft 3 · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
31 (1882)
Issue
Heft 3
Article
Die Agada der Tannaiten
Date
1882-01-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829556-2829560-2873366--20803-2873394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Die Agada der Tannaiten. 113 derartiger Stoffe überhaupt der Fall ist. Wir haben in diesen Controversen ein Speeimen ältester Agada und dürfen daher etwas länger bei ihnen verweilen. Ging bei der Weltschöpfung der Himmel der Erde voran oder umgekehrt? Diese Frage wird von der Schule Schammai, ganz wie in der Sage von den ״Weisen des Südens", an welche Alexander der Große dieselbe Frage richtete *), zu Gunsten des Himmels beantwortet, nach Gen. 1,1, von der Schule Hillel zu Gunsten der Erde, nach Gen. 2,4*). Beide veranschaulichen ihre Ansicht noch mit ebenfalls biblisch begründeten Gleichnissen, in denen die Weltschöpfung mit dem Bau eines Palastes verglichen wird. *) In einer andern Controverse, die ans die Worte ״am Tage, da Gott schuf" (Gen. 2,4) sich beziehen, theilen die Schüler Schammai's das Planen der Schöpfungswerke der Nacht, das Schaffen selbst dem Tage zu, während nach denen Hillels beides am Tage stattfand * * * 4). Einer der bedeutendsten Schüler ') Tamid 32 a. S. Vogel st ein, Adnotationes etc. p. 24. י) Chagiga 12 a, in etwas verschiedener Fassung in den paläst. Quellen : j. Chag. 77 c d, Gen. r. e. 1 g. E., Lev. r. c. 36 Ans., Midr. Samuel c. 5 Ans. In Pirks R. Elie2er c. 18 Ans. ist das Ganze sehr modificirt und sagenhaft erweitert. Die beiden Schulen hätten so eifrig debattirt, daß die Schechina sich unter ihnen niederließ und sie, gleichsam göttlich injpirirt, übereinkamen, für Himmel und Erde eine gleichzeitige Schöpfung anzunehmen. Das ist, wie wir gleich sehen werden, die Ansicht eines spätern Lehrers. *) Das Bild vom Architekten für den Weltschöpfer hat auch der alexandrinische Zeitgenosse der beiden Schulen (Philo, de opif. irnmdi 4) und zwar in sehr ähnlicher Weise, wie wir es im dritten Jahrhundert bei Hoschaja finden (Gen. r. o. 1 Ans.), nur daß Philo anstatt des Palastbaues die Erbauung einer Stadt zum Gleichniffe nimmt. 4) Gen. r. c. 12 Ans. Diesen Ansichten, welche wie ein Uebertragen menschlichen Denkens und Ausführens auf das Schöpsungswerk Gottes lauten, scheint als Grundgedanke jene Anschauung von der doppelten Schöpfung, der der idealen und der der sichtbaren Welt zu unterliegen, welchen wir ebenfalls bei P h i l o ausgeführt finden (s. S i e g f ried, Graetz-FrauN, Monatsschrift xxxi. s. 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.