Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Peripherie im Buche Esther
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
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67 Ueber die Peripetie im Buche Esther. seinen Einfluß ausdehnt, wo er, der König, vor Allem der Erste, der Bevorzugteste sein soll? Oder (wir sind an dem Hofe, wo solche argwöhnischen Gedanken nicht selten gerechtfertigt sind) ist gar ein Complott im Spiele und vielleicht ein solches, welches sein Herz, das Herz des G alten treffen müßte? Der Fragen und Bedenklichkeiten sind genug da, um ihn mißtrauisch zu machen, ihn zu beunruhigen und ihm in dieser Nacht, die auf die zweite besonders so auffällige Einladung folgt, den Schlaf zu rauben. Diese Gedanken und Bedenken, die iu der schlaflosen Nacht durch sein Inneres gehen, gestalten sich am Morgen, am Tage darauf') — wenn sie nicht überhaupt der Umgebung gegenüber laut werden — zu einem Befehle, dessen Ursprung und eigentliche Bedeutung die in die Sache eingeweihte, auf eine Aeußerung des Königs wartende Umgebung wohl erräth. Er geht aus den weiteren Gedanken und Erwägungen hervor, die sich an d a s Mißtrauen knüpfen, welches im König gegen den Mann erwacht ist, den er für den Treuesten halten mußte: Gibt es keinen im Staate oder in seiner Umgebung, auf den er fester bauen könne, der sich ihm wirklich treu erwiesen? keinen, der diesem Haman, wenn nöthig, entgegengestellt werden könnte? Darüber muß das Buch Aufschluß geben, in welchem verzeichnet sind alle um König und Reich erworbenen Verdienste. Aus diesem Buche soll ihm, na» türlich das Wichtigste, vorgelesen werden. Diesen Befehl giebt er. Hier nun ist denjenigen, welche aufgeboten sind, — wenn wir ') Alle folgenden mit derselben, erzählenden, Form eingeleiteten Handlungen und Befehle: das Erscheinen Hamans, um die Erlaubniß vom König nachzusuchen; seine Berufung zum Könige; der an ihn ergehende Befehl; die Auszeichnung Mordechais u. s. w. können ja unmöglich in der Nacht, sondern müssen am andern Tage erfolgt sein; warum nicht auch der Befehl zur Vorlesung und seine Ausführung? Die Stelle ist zu übersetzen : ״In jener Nacht war der Schlaf des Königs gestört g e w e s e n, darum sprach er (am folgenden, wichtigen Tage), daß man bringe" u. s. w., wie man es ja von V. 4 an übersetzen muß.