Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Peripherie im Buche Esther
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 18)
- Language
- German
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66 Ueber die Peripetie im Buche Esther. Hofes zum Mißtrauen leicht geneigten Könige zu zeigen, wie gefährlich eine solche Größe unter Umständen werden könne. Mit dem Mißtrauen gegen den Urheber würde jede Prüfung seines Werkes, ob es dem König früher noch so verdienstlich er« schienen, zurücktreten. Mit der P e r s o u würde leicht dieSa ch e fallen. Während so nach dieser Seite hin gegen Haman gewirkt würde — eine Aufgabe, die Esther sich selber zuweist — müßten die Anhänger Mordechais auf dem Posten stehen, um im geeigneten Momente für diesen thätig zu sein. Das Verdienst, das er dem König geleistet, würde ja diese Thätigkeit erleichtern. Ja, ist nur die Gegnerschaft Mordechais gegen Ha׳ man dem König bekannt, dann würde ja die U n g u n st gegen diesen zur Gunst für jenen werden. — Wenigstens muß Alles versucht werden, ehe man mit dem Höchsten, dem eigentlichen Wunsche hervortritt. — Esther geht nun an i h r Werk. — Der König bietet ihr gnädig die Erfüllung jedes Wunsches an — und sie hat nichts Höheres zu wünschen, als Hamau bei sich zu sehen. Ist schon dies geeignet, ihn stutzig zu machen, so muß er geradezu bedenklich, ja mißtrauisch werden, da sie auf seine neue Frage bei dem Mahle: ״Was dein Begehren, es soll dir gewährt, was dein Wunsch, er soll dir erfüllt werden", wiederum nichts besseres für jetzt zu erbitten hat, als Haman bei sich zu sehen und diesen Wunsch mit den Worten einleitet: ״Mein Begehr und mein Wunsch ist, wenn ich Gunst ge- Zünden in den Augen des Königs, wenn es dem König gefällt". Wie, die königliche Gemahlin weiß di« Kundgebung der besonder« Zuneigung des Königs, des Gemahls, den sie seit dreißig Tagen nicht gesehen, wieder nicht anders zu verwerthen als durch eine Kundgebung ihrer besonderen Gunst für Haman? Was bedeutet diese Bevorzugung? Hat er diesen Haman doch vielleicht zu hoch kommen, ihn so mächtig werden lasten, daß er selbst dorthin seine Macht und