Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Peripherie im Buche Esther
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
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Ueber die Peripetie im Bucke Esther. 55 verspricht nun. Alles, selbst mit Gefahr ihres Lebens, beim König zu versuchen» und nimmt damit das Rettungswerk in die Hand. — Aber dieses Rettungswerk geht nur langsam vor sich, wenigstens langsamer, als es nothwendig erscheint, und die Thätigkeit der Königin, sowie Alles, was dabei vorgeht oder vorfällt, giebt viel zu denken. Bis hierher nahm Alles» wie wir gesehen, einen klaren und natürlichen Verlauf, wenigstens trat uns nichts Unmögliches, nichts Unberechtigtes und nichts Unmotivirtes entgegen, nichts vor Allem, was den Charakteren und den Situativnen des Stückes widerspricht. Anders scheint es jetzt zu werden, wo die Lösung des Knotens in Angriff genommen wird, von der Handlung an, welche die Glücksveränderung vorbereiten soll, bis fast zur Katastrophe. Hier muß der Zuschauer oder der Leser bald ein ״Warum?", bald ein ״Unmöglich!" ausrufen. Es tritt uns da nicht blos Unklares nnd Unmotivirtes, sondern geradezu Unberechtigtes und der ganzen Anlage des Stückes Widersprechendes entgegen. Sehen wir zu und versuchen wir in der Wiedergabe der Begebenheiten fortzufahren. — Nach der Verabredung mit Mordechai und nach dessen streuger Forderung, von dem König die Abwendung des drohenden Unheils zu erbitten, wagt es Esther, vor dem König unaufge» fordert zu erscheinen. Das Wagestück ist vollständig gelungen. Die Ueberschreitung der Hofgesetze bleibt nicht blos ungestraft, sondern der König nimmt die Gemahlin sogar besonders gnädig auf. In überschwenglichster Gunst ist er bereit, jeden ihrer Wünsche zu erfüllen, und wenn er auch ״die Hälfte des Königreiches" beträfe. Und wie verwerthet Esther diese Gunst? Mas verlangt sie da? Nun, daß der König und Haman bei ihr zu einem Gastmahle erscheinen mögen. Hier muß sich sofort ein ״Warum?" und ein ״Wozu?" aufdrängen. Warum diese Verzögerung der eigentlichen Bitte und wozu diese Einladung? Und damit nicht genug, beantwortet Esther das bei dem Mahle von