Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Peripherie im Buche Esther
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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52 Ueber die Peripetie im Buche Esther. in unserem Buche und zwar dem von uns gezeichneten Charakter desselben gemäß erfolgt. Die Peripetie oder Glücksveränderung wird hier vorbereitet mit dem ersten Erscheinen der Kömgin vor dem König, tritt ein nach dem ersten Feste der Königin (6. Cap.), woraus die Katastrophe bei dem zweiten Feste der Königin ersolgt. Aber gerade das, was diesen Zeitraum ausfüllt, was in ihm vorfällt, was sich in ihm abwickelt, gerade die Vorbereitung und der Fortschritt dessen, was wir die Peripetie nennen, scheint d e m zu widersprechen, was wir von der Composition des Buches, von der Einheit, der innern Verknüpfung, der Klarheit und Wahrscheinlichkeit seiner Handlungen aussagten undaussagen mußten. Und nicht blos ein Widerspruch gegen den Charakter des Buches, sondern auch manche andere Schwierigkeiten und Unklarheiten treten uns hier entgegen, wenn man folgen will der herrschenden Auffassung dieses ganzen, die Lösung des Knotens umfassenden Theils, namentlich in Betreff des wichtigen Wendepunktes, der Glücksveränderung, die zwischen dem ersten und zweiten Feste der Königin eintritt; eine Auffassung, die hier offenbar den Hanptcharakter des Buches ganz aus den Augen verliert. Durch unsere, aus einer strengen Analyse dieses Theils sich ergebende abweichende Ausfassung hoffen wir die Wahrheit unserer Charakterisirung des Stückes ganz besonders klar hervortreten zu lassen und die Peripetie von allen inneren Widersprüchen zu befreien. — Skizziren wir zunächst kurz den Gang der Ereigniffe nach seinen Hauptmomenten vom Beginne bis zu dem Punkte, der den Uebergang zur Lösung des Knotens bildet, um den Gesammteindruck uns zu vergegenwärtigen und um schonhier, an diesem einen Theile den klaren Verlauf und die Wahrscheinlichkeit oder Nothwendigkeit der Begebenheiten wahrnehmen zu lassen. — Die Exposition führt uns sofort in das Leben und Treiben des Hofes ein, der fast der einzige Schauplatz für alle im Buche