Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Peripherie im Buche Esther
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Ucber die Peripetie im Buche Esther. Befreiung und Rettung den Juden auf eine andere Weise erstehen.") Diesem Hauptcharakter unseres Stückes, wie auch weiter dem Wesen des Dramas entsprechend, erheben sich denn auch hier Personen und Handlungen über das Einzelne zu dem Allgemeinen, zum ״Allgemeingültigen". Die hier auftretenden Hauptpersonen, von denen die Handlungen ausgehen, treten uns nicht in der Zufälligkeit ihrer geschichtlichen Erscheinung entgegen, sie tragen vielmehr das Gepräge wesentlicher Richtungen im mellschlichen Denken, Fühlen und Handeln an sich. Es sind typische Gestalten und Charaktere. Die Persönlichkeiten sind nur persisch costümirt; es sind solche, denen aus jeder Zeit gleichgeartete entgegengestellt werden kömien. Was haben wir in den vier Hauptpersonen vor uns? Einen verweichlichten, tyrannisch launenhaften, von jedem sinnlichen Eindrücke leicht bestimmbaren König. Ihm zur Seite der hochfahrende, junkerhafte, dabei hinterhältige Minister, dem Menschen und Menschenleben, wo es die Erreichung seiner ehr» geizigen Pläne gilt, wenig bedeuten. Ihnen gegenüber steht der sittenstrenge, selbstlose, geradsinnige, die voll ihm vertretenen allgemeinen Interessen unentwegt verfolgende, alle diplomatischen Winkelzüge verschmähende Mannescharakter, der seine Ergänzung wieder findet durch Diejenige, die inniges Gefühl und Treue mit Klugheit, Besonnenheit und Vorsicht in sich vereint. Aber wir haben in diesem Stücke ilicht blos, um wiederum mit Aristot. zu sprechen, eins ״einfache" zusammenhängende Handlung, in der eine Entwickelung oder ein Fortschritt von der Schürzung bis zur Lösung des Knotens stattftndet, sondern auch eine ״verwickelte Handlung", in welcher die Ent- Wickelung durch eine Peripetie (Schicksalswendung) erfolgt, wodurch das Unheildrohende zum Heil umschlägt, oder umgekehrt das Glückversprechende zum Unglück. Aus diese Peripetie wollen wir besonders unser Augenmerk richten und zusehen, ob auch sie 4*