Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 31 (1882)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Peripherie im Buche Esther
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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&0 lieber die Peripetie im Buche Esther. les: ״lieber die Poetik", Cap. 9). — Und das Buch erfüllt auch, was den Charakter und die Gestaltung der Begebenheiten betrifft, die wesentlichen Erfordernisse und Bedingungen, die au das Drama gestellt werden. Zunächst ist hier die Einheit der Handlung streng bewahrt, die Begebenheiten sind einheitlich zusammengefügt, das Einzelne stellt sich als ein Theil des übersehbaren Ganzen dar. Alles, was hier berichtet wird, fördert die Schürzung oder Lösung des Knotens, die scheinbaren episodischen Vorgänge und Personen dienen allesamnit der Haupt- Handlung, die einzelnen Theile, Kapitel oder Auftritte greifen in einander, stehen in innigem Zusammenhänge; sie folgen nicht blos a u f einander, sondern aus einander» sie sind organisch verbunden. Die einfache Erzählung des Gegebenen, die Wiedergäbe des wirklich Gescheheiren ohne die Hilfe des künstlerischen Schaffens, des dichterischen Gestaltens stellt sich nur selten als eine solche zu einem Ganzen sich zusammenschließende Vielheit dar. Und wie die Einheit der Handlung, so kommt hier auch in deur ganzen Entwickelungs gange der Handlung das Gesetz der Wahrscheinlichkeit oder Nothwendigkeit zur vollen Geltung. Es wird hier nicht blos berichtet, was geschehen ist, sondern was geschehen konnte. Es verläuft Alles natürlich und begreiflich. Es sind lauter wohlinotivirte Situationen, die hier uns gegeben werden. Die Handlungen entspringen klar aus den Verhältniffen und dem Charakter der Personen. Es ereignet sich hier (und dies wird durch unsere Betrachtung vollständig erhärtet werden) nichts Zufälliges, nichts ״Veruunftwidriges" im dichterischen Sinne und nichts Unnatürliches. Mit so großer Aengstlichkeit wird hier der Gedanke an jedes übernatürliche Eingreifen ausgeschlossen, daß in dem ganze» Buche jede Bezeichnung, jede Andeutung eines göttlichen Wesens fehlt oder vermieden wird, selbst da, wo eine solche sehr nahe lag. (Kap. 4,14: ״Wenn du in solcher Zeit schweigst, so wird