Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1881)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 469 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829542-2829553-2873108--20538-2873161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Revue des״ efcudes Juives. 469 der persische Sieger von Babylon den Deportirten Judäa's angedeihen ließ, so würde das Räthsel, welche Motive zu solcher Begünstigung veranlaßt haben, sich auf das Einfachste lösen. Die den Juden gewährte Concession, in ihr Stammland zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen, die Rückgabe sämmllicher zu Babylon aufbewahrten Tempelschätze war keine spezielle Gunst, deren nur die südische Emigration sich zu erfreuen hatte, sondern ein Ausfluß der von Cyrus befolgten Politik, welche allen exilirten Völkerschaften zu Gute kam. In! Gegensatz zu der assyrisch-babylonischen Eroberungsmethode, welche zur Befestigung ihrer Machtstellung die überwundenen Volksstämme durcheinanderwirbelte und ihre Kullusstätten als Mittelpunkte nationaler Widerstandskraft schonungslos auflöste und selbst mit deren Göttern noch viel unhöflicher umsprang, als sogar die ,Römer, welche die Schutzgötter eroberter Städte wenigstens mit feierlicher Jnkantation zuvor hinauscomplimeutirten, hat Cyrus die nationalen Eigenthümlichkeiten und GebietSverhältnifse der Unterlegenen jederzeit niöglichst respektirt. Ja, er scheint geradezu als Wiederhersteller der gestörten Volksordnungen und der depossebieten Gottheiten aufgetreten zu sein und in diesem Sinne an das Nationalitätsprinzip bereits appellirt zu haben, welche staatskluge Praktik wohl mit zu seinen großartigen kriegerischen Erfolgen beigetragen haben mag, jedenfalls für Juda die Verwirklichung der von seinen Propheten genährten Hoffnungen auf Restitution zur Folge gehabt hat. So sehr wir darin die weise Staatskunst und den weiten Scharfblick des Schöpfers der persischen Welt- Monarchie bewundern müssen, so geht doch wiederum schon daraus hervor und wird von den Keilinschriften unanfechtbar bezeugt, daß Cyrus auf dem Boden des krassesten Heidenthums, von keines Gedankens Blässe angekränkelt, ganz und gar gestanden habe; wie hätte er sonst dem Mardukj dem Bel und N ebo so begeistert huldigen können! Alles, was von der bild-