Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1881)
- Article
- Meir b. Simon und seine Schrift Milchemeth Mizwa
- Date
- 1881-10-01
- Page
- Seite 448 (sequence 5)
- Language
- German
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448 Meir b. Simon und seine Schrift Milchemeth Mijwci. König der Juden Roi Juif in Narbonne ist allerdings auch sonst die Rede. Das Oberhaupt der Juden in Narbonne hatte früher, so glaubte mau wenigstens daselbst, den Titel König. Eine Straße daselbst soll früher nie ein Roi Juif geheißen haben (v. M6moire a. a. O. p. 340, 341, Depping, Res juifs daas le moyen age p. 110, Saigs a. a. O., vgl. Geigers jüd. Zeitschr. X, p. 282). Urkundlich ist jedoch weder das eine noch das andere bestätigt. Daß die Inden daselbst ein besonderes Quartier hatten, die graaäe juiverie, ist nicht auffallend. Wir finden daffelbe auch anderwärts. Die Annahme eines Judenk ö n i g s mag aus dem Umstande entsprungen sein, daß die reichbegüterte, angesehene Familie der Kalonymiden in Narbonne, an der Spitze der Gemeinde stehend, den Titel N a ß i führte, ihren Ursprung vom Davidischen Königshause ableitete und megen dieser Abstammung auch allgemein von den Juden gepriesen wurde (vgl. Benjamin von Tudela Jtiner. ed. Asher I, p. 2, o. Zunz das. II, p. 6, vgl. Groß Monatsschr. 1878, p. 472). Die Verknüpfung der obigen Erzählung mit dem Namen Karls des Großen ist ohnehin ungeschichtlich. Als letzterer zur Herrschaft kam (768), waren die Saracenen längst über die Pyrenäen verdrängt worden. Er konnte und brauchte ihnen also Narbonne, das nicht mehr in ihrem Besitze war, nicht zu entreißen. Die gegentheilige Angabe ist irrig uud ist wohl aus einer Verwechselung der Facta hervorgegangen. Denn um 793 sind allerdings die Saracenen in Gallien eingedrungen, aber sie haben nur das Land bis Narbonne, das ihnen widerstand, verwüstet und sind bald wieder nach Spanien zurüägekehrt. ES war ihre letzte Invasion. Um 732 hatte sie Karl Martell in einer entscheidenden Schlacht bei Poitiers auf's Haupt geschlagen. Um 737 erfocht er abermals einen glänzenden Sieg über sie bei Narbonne, das er jedoch nicht einzunehmen vermochte (Muratori Annali ad h. a,). Erst Karls Sohn, Pipin, eroberte die