Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 9 (September 1881)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 414 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829542-2829552-2873041--20472-2873085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
<14 Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde. In denselben Kreis gehören nun die zahlreichen Sagen von bergenlrückien Helden,, die lange schlafen, bis ihre Zeit anbricht, wo sie zu neuem Leben erwachen, ihren Schild an den trockenen Banm hängen, der nun grünt, und die alles Unrecht auf der Erde tilgen. Fast jedes moderne Volk hat seinen schlafenden Helden, dessen Rückkehr cs erwartet. Am geläufigsten ist uns die Sage vom Kaiser Barbarossa, der im Äpsshäuser schläft. Grimm: Deutsche Sagen 2. Aufl. 1865 Nr. 23, Bd. I, S. 25 f. erwähnt nicht weniger als sechs Quellen, aus welchen er diese Sage geschöpft hat. Sie lautet: ״Don diesem Kaiser gehen viele Sagen im Schwange. Er soll noch nicht tovt sein, sondern bis;um jüngsten Tage leben, auch kein rechter Kaiser nach ihm mehr auskommen. Bis dahin sitz: er verhohlen in dem Berg Kpsfhausen, und wann er hervorkomint, wird er seinen Schild hängen an einen dürren Baum, davon wird dieser Baum grünen und eine bessere Zeit werden. Zuweilen redet er mit den Leuten, die in den Berg kommen, zuweilen läßt er sich auswärts sehen. Gewöhnlich sitzt er ans der Bank an dem runden, steinernen Tische, hält den Kops in der Hand und schläft, mit dem Haupt nickt er stetig und zwinkert mit den Augen. Der Bart ist ihm groß gewachsen, nach einigen durch den steinernen Tisch, nach anderen unr den Tisch herum, dergestalt, daß er dreimal um die Rundung reichen muß, bis zu seinem Aufwachen, jetzt aber geht er erst zweimal herum." Eine ähnliche Lage von Kaiser Joseph, sowie überhaupt mehrere Parallelen bei Dunlop-Liebrecht S. 472 bf., Nr. 167 und Nachtrag S. 546 b. Hinzuzufügen wäre noch die böhmische Sage bei Grohmann: Sagenbuch aus Böhmen und Mähren I, S. 17, Prag 1863, wo «in Hirt scheinbar kurze Zeit bei König Wenzel im Berge Blanik sich aufhält, als er herauskommt waren es 100 Jahre, die er dort zugebracht, und Niemand erkennt ihn. Eine Variante dieser Sage, ebendaselbst S- 18 f., läßt