Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1881-09-01 · Heft 9 (September 1881) · p. Seite 400

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
30 (1881)
Issue
Heft 9 (September 1881)
Article
Die Anfänge der Vocalzeichen im Hebräischen
Date
1881-09-01
Page
Seite 400 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829542-2829552-2873039--20456-2873071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

400 Die Anfänge der Vocalzcichcn im Hebräischen. tiven kann bereits als ein Vocal angesehen werden, entweder •ו und ו oder י• Diese Anfänge der Vocalisirung der Consonanten können nur etwa in der zweiten Hälfte des sechsten oder in der ersten Hälfte des siebenten Jahrhunderts eingeführt worden sein. Die Negierungszeit Anuschirwans (531 — 579) einerseits und die Eroberung Persiens durch die Araber (632—38) andererseits bilden ungefähr die chronologischen Grenzen dafür. Denn selbstverständlich können diese ersten Vocalpunkte lediglich in den persisch-jüdischen Gemeinden eingeführt worden sein. In Palästina dagegen, das einzige Land, das noch dafür in Betracht komnren könnte, fehlte die Anregung und noch mehr die dazu erforderliche Seelenruhe. Die Palästinensischen Inden wurden von den byzantinischen Kaisern mit ausgesuchter Härte geplagt, namentlich hat Justinian ihnen das Leben zur Hölle gemacht und in die zartesten Gewissensempsindungen eingegriffen. Die von ihm ausgcgangenen Eingriffe und Beschränkungen sind stationär geblieben; seine Nachfolger haben sie nicht gemildert. Im zweiten Jahrzehnt des 7. Jahrh., bei der Invasion Palästina'S durch die Perser haben sie sich zwar an dem Kriege gegen die Christen betheiligt und den Eroberern Vorschub geleistet, sind aber dafür vom Kaiser HerakliuS auf das Grausamste gezüchtigt worden. Kurz die Palästinenser waren von Sorgen für das kärgliche Leben genug bedrückt, um an eine grammatische Beschäftigung denken zu können. Wird doch nicht ein einziger palästinen. sischsr Gesetzeslehrer seit dem Abschlus; des jernsalemischen Talmuds im 4. oder 5. Jahrhundert bis in's achte Jahrhundert hinein genannt. Wenn die Nachricht des Seder Olam Suta historisch ist, daß ein Mar-Sutra im Jahre 520 von Babylonien nach Palästina ausgewandert ist, dort als Lehrvorsteher (ריש פרקי, anerkannt worden zund diese Würde auf seine Nachkommen vererbt hat, so beweist dieser Umstand noch mehr die Geistesverkümmerung der Palästinenser. Im 8. Jahrh. war es wieder ein Babylo.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.