Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 9 (September 1881)
- Article
- Jacob Bernays
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 393 (sequence 9)
- Language
- German
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Jacob Bornays. 393 gegründet, mit Recht für einen Ausbau der eleatischeu SeiuSlehre gilt. Aber es muß zwischen dieser eleatischeu Lehre und der durch noch so dünnen Faden an die Bibel gebundenen Häresie ein tiefinnerlicher Gegensatz bestanden haben, dessen unübcrwindliche Sprödigkeit auch die Geschicktesten von jedem Versuche deS ZusammenfügenS abschreckte. Und wahrlich, wer sich vom Hauch des lebendig wirkenden Gottes erfüllt glaubt, kann kein Verständnis; mit denen eingehen, welche wie die Eleaten, die cm- <!mnu ■10v okov, das All zum Eins erstarren lasse». Gleichsehr fühlen sich Orthodoxe wie Heterodoxe zu Heraklit hingezogen. Man erkannte, daß das heraklitische Prinzip kein ruhend todtes, sondern ein bewegt lebendiges fei, daß die Bewegung nicht von einein blinden Fatuin fortgestoßen werde, sondern bewußt dahinschreite, denn ״Eines weiß Alles, "Ev ndvm oldtv“. ־ Diese wenigen Proben von Bernays schriftstellerischer Thätigkeit, die ein genauerer Kenner seiner Schriften mit viel besserem Geschniack und größerer Sorgfalt ausgeivühlt hätte, bekunden, daß seine Arbeit keine rein formalistische gewesen ist, sondern daß er, erfüllt von der Würde seiner Wissenschaft, sie in Beziehung zu bringen wußte zu den großen Fragen und Aufgabe», welche die Menschheit bewegen. Seiner Wissenschaft! gehörte sein Lebe», aber sie hat ihm auch sein Dasein geschmückt und erleuchtet. Sein Leben war ein einsames, aber ein glückliches; deim er pflegte vertrauten Verkehr mit jenen großen Geistern der Vergangenheit, dis nie trivial,, die nie fade und geistlos werden, und er verstand den Verkehr mit ihnen vortrefflich zu nutzen zu seiner und zu unserer Belehrung. Sein Herzenszug ging unzweifelhaft dahin, sich in seinem Studirzimmer einzuschließen und rein wissenschaftlicher Thätigkeit sich hinzugeben; aber es ist ein Glück, daß ihn sein karger Besitz gezwungen hat, sich der Lehrthätigkeit zu widmen; denn