Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 9 (September 1881)
- Article
- Jacob Bernays
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
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Jacob BcriiayS. 301 dem Ereigniß schreibenden Presbyters für einen Werth, wenn es nicht gelingt, die Quelle zu entdecken, aus der er geschöpft hat? Severus nun citirt seine heidnischen Quellen nie mit Namen. Aber Bernays weist zwingend nach, daß das, was Severus von den Scheustlichkeiten des Nero und von dem Brande Roms erzählt, fast wörtlich den Annalen des Tacitus «ntnoinmen ist. Um diesen auch für die Darstellnng der Zerstörung Jerusalems zu benutzen, brauchte er nicht einmal nach einem anderen Buche des Tacitus zu greifen, da schon im vierten Jahrhundert Annalen und Historien des Tacitus vereinigt waren. Uns freilich fehlt der Theil der Historien, in dem Tacitus von der Belagerung Jerusalems gemeldet hat; aber zur Zeit des Severus waren diese Theile noch vorhanden, denn ein Zeitgenosse desselden, Orosius, citirt größere Stellen aus diesen uns verlorenen Büchern. Zudem hat der Bericht des Severus eine taciteische Färbung des Stils. Tacitus, der nach der Beseitigung des Domitianus schrieb, war nicht durch Rücksichten gegen die Flavier wie Josephus behindert, die Wahrheit zu sagen. Diese Wahrheit konnte ein Mann von Tacitus' gesellschaftlicher Stellung leicht erfahren; ja Bernays bringt einen Gewährsmann direkt aus dein Kriegsrath, der den Sturm ans Jerusalem anordnete. Es ist anderweitig festgestcllt, daß ein Antonius JuliannS über jü׳- dische Dinge geschrieben hat. Diesen aber identificirt schon Tillemont mit dem Prokurator von Judäa Marcus Antonius Julianns, der nach Josephus eins der Mitglieder des Kriegsrathes war, die für die Zerstörung stimmten. Josephus allerdings konnte diesen Autor für seinen tendenziösen Bericht deswegen nicht verwerthen; Tacitus hat es unzweifelhaft gethan. Diese Skizze, welche freilich nur die allerwesentlichsten Momente einer auf vierzehn Großquartseiten von Bernays ausgeführten Untersuchung wiedergiebt, wird trotzalledem wohl genü-