Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 9 (September 1881)
- Article
- Jacob Bernays
- Date
- 1881-09-01
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jacob Bernays. 389 Geschichte von dem Weltbeginn an kurz znsammenzndrängen, und unter genauen Zeitangaben bis auf die Gegenwart herab in großen Umrissen zu erzählen, scheint in den Theilen, in welcheu sie den biblischen Bericht recapitulirt, keinen größer« Werth zu beanspruchen als den einer müßigen Stilübung und darmn weder die Berücksichtigung der Theologen noch die der Historiker zu verdienen. Aber BernahS, der darauf hinweist, daß Severus durch die von PriscilliauuS angesachte Bewegung mächtig erregt worden ist, führt im Einzelnen aus, wie Severus sowohl bei der stilistischen Form der Chronik wie bei der Auswahl und der sachlichen Behandlung ihres biblischen Stoffes den Kirchenzwist seiner Zeit nie aus den Augen gelassen hat 1u>d so reflektiren sich denn in seinem Berichte biblischer Geschichten, in dem was er übergeht, was er hervorhebt, was er mit moralischer Nutzanwendnng begleitet, die Ereignisse seiner Zeit. Severus hat auch heidnische Autoren benutzt, aber nie die Namen derselben angegeben. Dieser Umstand ist für Bernahs der Ausgangspunkt zu einer historischen Untersuchung von der weitgreifendsten Bedeutung. Tie Zerstörung Jerusalems zur Zeit des Titus war keineswegs eine politische Nolhwendigkeit wie die Zerstörung Karthago's oder Kvrinth's. Zur Zeit der Republik besaß Nom kein stehendes Heer, das wichtige Punkte hätte besetzt halten können. Aber als Jerusalem siel, war das römische Kaiserhum und sein unzertrennlicher Begleiter, das stehende Heer, bereits ein Jahrhundert alt; was also bei Karthago als ein Akt kluger Politik sich ergiebt, muß bei Jerusalem als die Aeußerung eines rohen Zerstörungssinnes erscheinen. Wirklich, meint Beruays, inüsseu solche Fragen später, als die kriegerische Hitze sich abgekühlt hatte, der urtheileitden.Welt sich aufgedrängt haben, und die Aittwort, welche Titus entweder selbst gab oder gern gegeben hörte, liegt uns in seines Clienten Josephns' Beschreibung des jüdisches Krieges noch jetzt vor.