Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 8 (August 1881)
- Article
- Jacob Bernays
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829542-2829551-2872975--20389-2872995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jacob Bernays. 343 aus, als ob sie nicht nur aus der Geschichte, sondern auch aus der eigenen Erfahrung genomnlen sei und wirft ein Licht auf die Frage, wie wohl Bernays über die bibelkritischen Untersuchungen, welche die Gegenwart bewegen, gedacht haben mag. Ein anderes Mal lesen wir in einer Schrift, die er als dreißigjähriger Mann abfaßte, daß alle Männer, die sich einen gleichmäßigen Fortschritt ihrer wissenschaftlichen und religiösen Entwickelung zu erhalten verstehen, in reifem Jahren manche Starrgläubigkeit ihrer Jugend ablegen. Schreibt wohl ein Mann eine solche Beobachtung nieder, wenn er sie nicht auch an sich selbst gemacht hat? .Er rühmt es an Skaliger, daß er den Versuch, das Studium der Bibel von dem der klassischen Literatur zu trennen, energisch zurückgewiesen hat. Das ist doch keineswegs Orthodoxie. ' Bernays war auch in seinem jüdischen Gefühle wesentlich Philologe; er verehrte ein Buch, die Bibel, und bezeichnet es geradezu ״als die große, dem Menschengeschlecht aufgegebene Arbeit, die Bibel mit der griechisch-römischen Bildung zu vereinen." Bezeichnend für ihn ist eine Anekdote, die mir einer seiner vertrautesten Freunde mitgetheilt hat. Als ihn einst ein jüdischer Gelehrter aus Rußland besuchte, wollte dieser nun auch sein Licht vor dem deutschen Philologen leuchten lasten und mit keckem Uebermuth trug er ihm allerhand gewagte und wenig motivirte Konjekturen vor, die er am biblischen Texte vorzunehmen für gut fand. Bernays würde unzweifelhaft nur gelächelt haben, hätte einer am Homer solch tolle Künste probirt; da es sich aber um die Bibel handelte, brauste er auf und ermahnte den Uebermüthigen, daß die Juden nach all den Verfolgungen den Zigeunern gleich gewesen wären ohne dies Buch, welches gleichsam das Vaterland des Juden sei. Er that sich etwas zu Gute auf sein biblisches und talmudisches Misten, und seine HauSgenoffen versichern, daß er bis zu