Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 8 (August 1881)
- Article
- Jacob Bernays
- Date
- 1881-08-01
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
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340 Jacob BcrnayS. rauben lassen, und vor die Alternative gestellt, für grob und unhöflich, ode,r für ungesellig und sonderbar zu gelten, wählte er das Letztere. In Wirklichkeit war er .ein Meister geistreichen Gesprächs, und jeder, den er seiner Unterhaltung würdigte, wird mit Wonne der mannigfachen Anregungen, der geistreichen Einfälle, der Perlen von Lebensweisheit und Welterfahrung gebenkerr, von denen sein Mund überströmte. Wie in seinen wissenschastlichen Arbeiten stand ihm auch in der Unterhaltung sein glänzendes Talent bei, scheinbar ganz auseinander liegende Dinge zusainmenzubringen; aus dem Schatze seiner Gelehrsamkeit, die er nie in mit Erz gemengten Goldbarren, sondern nur in klarem geprägtem Golde zu Tage brachte, nahm er auch die kleinen Münzen, welche seinem einfachen Geplauder Werth verlieh. Dazu besäst er im Gespräch wie auf dem Katheder die Gabe glänzender Wortsührung °, fast nie stockte seine Rede; stets waren seine Perioden kunstvoll abgerundet; mit gewählten Wendungen, mit geistreichen Antithesen, mit lehrreichen Beziehungen auf verwandte Stoffe war sein Vortrag auch daun geschmückt, wenn er ganz unvorbereitet ihm von den Lippe»» floß. Er, der »räch seinem eige»»en Geständnist an den» Stil einer Seite, die er für die Oefsentlichkeit bestimmte, zuiveilen acht Tage lang feilte sprach so, dast die Nachschrift, wenn mail nicht gerade einen so strerrgen Richter rvie Bema»)s fürchtete, getrost in den Druck gegeben werden kouilte. Und es mar »licht nur der geläufige Sprecherjener triviale und oft dem Zuhörer gefährliche Vorzug des Nichtsteckenbleibens, der ihn auszeichnete, sonder»» der Glanz der Worte, die Schöilheit der Form und die Tiefe und dis Fülle der Gedarlken. Zu diesen Vorzügen, rvelche seine Schüler begeisterten, gescllte sich noch echte, strenge Frömmigkeit, um ihn zu einem rvürdigen Vorbilde für die jungen Theologen zu machen. Diese